Vielen Infinus-Beratern wird von Anlegeranwälten mit Schadenersatzprozessen gedroht – obwohl ein dem Haftungsdach angeschlossener Vermittler überhaupt nicht persönlich gegenüber seinem Kunden haftet. Auf dieses Phänomen weist der Berliner Rechtsanwalt Norman Wirth in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Mitteilung hin. "Soweit sich gebundene Vermittler an die klaren Vorgaben zur Außendarstellung und zum Beratungs- und Vermittlungsablauf gehalten haben, wie dies von der Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut vorgegeben war, sehen wir keine Probleme für die Vermittler", so Wirth.

Dass sich Anlegeranwälte nicht an das Haftungsdach wenden, sondern an den Vermittler, sei für beide Seiten ärgerlich. "Offen gestanden tun mir die Anleger leid, da sie diese Prozesse in der Regel verlieren werden", so Wirth. Der betroffene Vermittler wiederum habe Kosten für seine Rechtsvertretung, die er erst später zurück erhalte, wenn er vor Gericht Erfolg hatte.

Im Fall von Infinus bangen rund 40.000 Anleger um ihr Investment in Höhe von insgesamt mehr als 800 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen zehn Beschuldigte aus dem Umfeld der Firmengruppe wegen des Verdachts auf Anlagebetrug und des Betreibens eines Schneeballsystems. Zeitweise saßen sechs Beschuldigte in Untersuchungshaft. Inzwischen ist Haftungsdach-Vorstand Jens P. auf freiem Fuß, weil er sich gegenüber der Staatsanwaltschaft geständig zeigte.

Zwei Haftpflicht-Policen
Wirth kann auch Anlegern, deren Anwälte gegen das Haftungsdach vorgehen, keine allzu großen Hoffnungen machen. Seinen Informationen zufolge hat das Institut zwei Haftpflichtversicherungen abgeschlossen. Die eine biete Versicherungsschutz, wenn den Organen oder angestellten Mitarbeitern eine Pflichtverletzung vorgeworfen werde. "Die Jahreshöchstleistung dieser Versicherung soll zwei Millionen Euro betragen", so Wirth.

Zusätzlich solle eine weitere Police für das Institut in seiner Funktion als Haftungsdach mit einer Jahreshöchstleistung von nochmals zwei Millionen Euro bestehen. Diese Versicherung biete Schutz auch für den Fall, dass das Haftungsdach wegen eines Verstoßes angegriffen werde, der von seinen gebundenen Vermittlern begangen worden sein soll.

Geringe Versicherungssumme
Schon die geringe Versicherungssumme zeigt, dass keinesfalls alle Anleger darauf wetten dürfen sollten, ihren mutmaßlichen Schaden von der Vermögenschaden-Haftpflichtversicherung ersetzt zu bekommen. "Weder der Versicherungsumfang noch die am Markt erhältlichen Deckungssummen sind geeignet, um die Konsequenzen vorsätzlicher Handlungen und hieraus resultierender Schadenersatzansprüche nebst möglicher Insolvenz ganzer Firmengruppen aufzufangen", so Wirth.

Dazu kommt, dass ein Versicherer bei Betrug ohnehin keinen Schadenersatz leisten muss. Dass sich Infinus-Vorstand P. gegenüber der Staatsanwaltschaft geständig zeigte, deutet darauf hin, dass er tatsächlich von dem mutmaßlichen Betrug gewusst haben könnte. Diese Kenntnis lässt sich nach Auffassung einiger Juristen dem gesamten Haftungsdach zurechnen – damit wäre der Haftpflichtversicherer fein raus (siehe auch den Artikel "Infinus: Juristen streiten über mögliche Haftung der Allianz"). (bm)