Eine Abschaffung des Bargelds würde das aktuelle Niedrigzinsumfeld zementieren und weiter verschärfen. Zu dieser Einschätzung kommt Philipp Dobbert, Chefvolkswirt der Quirin Bank. Derzeit kommt wieder Fahrt in die Diskussion rund um die Reduktion oder gar Abschaffung von Münzen und Geldscheinen. Von den Befürwortern wird ins Feld geführt, dass ohne Bargeld Schwarzarbeit und organisierte Kriminalität kaum noch finanziell möglich wären. "Dabei dürfte aber tatsächlich eine andere Überlegung im Vordergrund stehen: Eine Übertragung der Negativzinsen einiger Zentralbanken wie der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Sparer und Unternehmen", sagt Dobbert.

Konkret diskutiert wird der Plan der Bundesregierung, Barzahlungen über 5.000 Euro gesetzlich zu verbieten. Hinzu kommt ein EZB-Vorschlag, die Verwendung von 500-Euro-Banknoten vollständig einzustellen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Ohne Bargeld, so die Überlegung, ließen sich Schwarzarbeit und Schattenwirtschaft, aber auch organisierte Kriminalität und Steuerhinterziehung kaum noch umsetzen. 

Negativer Einlagezins würde ausgedehnt
Eine Abschaffung des Bargelds würde laut Dobbert aber vor allem dazu führen, dass die Zentralbanken ihre derzeitige Politik negativer Zinsen für die Einlagen von Geschäftsbanken auch voll auf die Einlagen von Sparern und Unternehmen ausdehnen könnten. "Die einzige Hürde für eine solche Ausdehnung ist bislang das Bargeld", erklärt er. Denn wahrscheinlich würden Sparer sich ihre Einlagen vollständig auszahlen lassen, wenn ihre Bank einen negativen Zins – also Kosten statt Rendite – auf Spar- und Tagesgelder einführen würde. Aber wenn es kein Bargeld mehr gäbe, wäre eine solche Ausweichreaktion unmöglich, und der negative Zins würde voll auf die Guthaben durchschlagen. (fp)