Die drei europäischen Finanzaufsichtsbehörden (European Supervisory Authorities, kurz: ESA) denken darüber nach, die automatische Anlageberatung, auch Robo-Advice genannt, schärfer zu regulieren. Entsprechende Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Risiken von Robo-Advice zu verringern und gleichzeitig den Nutzen zu fördern. Dies geht aus einem Diskussionspapier der ESA hervor, über das die Münchener Kanzlei Waigel Rechtsanwälte in ihrem Newsletter informiert.

Als Vorzüge automatischer Anlageberatung sehen die Aufsichtsbehörden für Bankwesen, Versicherungswesen und Wertpapierhandel unter anderem geringere Kosten. Auch die Chance für Anbieter von Finanzprodukten, neue sprich: jüngere Kundengruppen anzusprechen, die Online-Tools einer persönlichen oder telefonischen Beratung vorziehen, wird positiv bewertet. Als weitere Pluspunkte werden im Diskussionspapier die Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit der Robo-Advice-Angebote oder die Möglichkeit für den Kunden, Cross-Border-Produkte anzufragen, genannt.

Risiken für Verbraucher und Anbieter
Auf der anderen Seite erkennt die Finanzaufsicht in der rein rechnergesteuerten Investmentberatung aber auch gehörige Risiken für Verbraucher und die Betreiber selbst. So wird beispielsweise auf ein Informationsdefizit verwiesen, zu dem es kommen kann, wenn ein Kunde schriftliche Informationen nicht richtig versteht. Auch Warnhinweise, Disclaimer oder Vertragsbedingungen könnten leicht überlesen werden.

Aus der bei automatischen Anlageberatung meist eingeschränkten Produktpalette könne sich ergeben, dass Usern ungeeignete Finanzinstrumente empfohlen beziehungsweise besser zu ihnen passende Anlagelösungen vorenthalten werden. Darüber hinaus sehen die Aufsichtsbehörden die latente Gefahr, dass mögliche Programmierfehler zu einer Häufung von Kundenbeschwerden führen, die im Falle von Gerichtsprozessen auch die meist noch kargen Finanzmittel der Anbieter rasch aufzehren könnten. Diese und andere Risiken sollen, so das ESA-Papier, mittels regulatorischer Maßnahmen eingedämmt werden.

In die Diskussion einklinken
Alle Interessenvertreter, die an der Diskussion über eine mögliche Regulierung von Robo-Advice teilnehmen möchten, können noch bis zum 4. März 2016 ihre Stellungnahmen einreichen. Dafür können sie eine Frage- und Antwortmaske auf den Online-Seite von einer der drei ESA-Behörden nutzen. Dort finden sie auch das vollständige Diskussionspapier – einfach hier klicken. (am)