Vor allem kleinere Versicherungsunternehmen mit Bruttoprämieneinnahmen unter einer Milliarde Euro käme der ursprüngliche Termin nicht ausreichend vorbereitet (57 Prozent). Hier ist der Wunsch nach Verschiebung größer als bei Versicherungsunternehmen mit einem Prämieneinkommen von über einer Milliarden Euro (32 Prozent). Das zeigt eine aktuelle Umfrage von AXA Investment Managers unter 50 Versicherungsunternehmen und zwölf Pensionskassen in Deutschland. Solvency II regelt vor allem die Eigenmittelausstattung von Versicherern. Der Start war ursprünglich bereits ab 2013 geplant, das Regelwerk wurde zuletzt aber immer wieder verschoben (FONDS professionell berichtete). 

Bei einem Blick auf die unterschiedlichen Versicherungsanbieter zeigt sich, dass sich Schaden- und Unfallversicherer am besten gerüstet sehen. Dagegen meint nur gut die Hälfte aller Lebens- und Krankenversicherer zum ursprünglichen Umsetzungszeitpunkt bereit zu sein. "Das Ergebnis mit Blick auf die Größe von Versicherungsunternehmen ist nicht wirklich überraschend, kleinere Unternehmen haben kaum die Möglichkeit, ein eigenes Modell zu entwickeln, das ihnen geringere Kapitalanforderungen als im Standardmodell ermöglichen würde. Somit müssen sie für die gleichen Risiken vergleichsweise mehr Kapital bereitstellen als größere Versicherer, die sich ein internes Modell leisten können", erklärt Christina Böck, Head Solution Strategists Central Europe bei AXA IM.
 
Den größten Nachholbedarf haben laut der Umfrage Rückversicherer: 71 Prozent geben an, nicht komplett gerüstet zu sein. Dass Rückversicherer sich nicht bereit fühlen, ist für Böck aber keine Überraschung: "Solvency II belegt die Passiva von Rückversicherungen mit sehr hohen Eigenkapitalanforderungen. So wird zum Beispiel geografische Diversifikation kaum als risikomindernd anerkannt."
 
Risikomanagement und Reportingpflichten bereiten die größten Sorgen
Sorge bereiten den Versicherungsunternehmen vor allem die neuen Anforderungen an das Risikomanagement (Säule 2) sowie die Reportingpflichten (Säule 3). Im Bereich des Risikomanagements gaben 65 Prozent der befragten Unternehmen an, in ihren Vorbereitungen lediglich auf einem befriedigenden oder schlechten Stand zu sein. Hinsichtlich der Transparenzanforderungen und Reportingpflichten liegt dieser Wert sogar bei 93 Prozent. 
 
Versicherungsunternehmen und Pensionskassen wünschen sich neben einer zeitlichen Verschiebung von Solvency II vor allem auch eine Übergangsfrist für Altverträge (75 Prozent). Für Pensionskassen wird es eine gesonderte Regelung geben. Sie wird nach derzeitigem Stand die Solvency-II-Richtlinie wohl nicht eins zu eins abdecken. Auch ist davon auszugehen, dass diese Richtlinie noch später eingeführt wird als Solvency II. 
 
Zur Studie
Die Studie untersucht mit Blick auf Solvency II die Bewertungen, Vorbereitungen und Erwartungen deutscher Versicherungen und Pensionskassen. Insgesamt beteiligten sich 50 Versicherungsunternehmen und 12 Pensionskassen an der Umfrage. Die Studie wurde  im Auftrag von AXA IM durch SMF Schleus Marktforschung (Hannover) durchgeführt. Die Studie wurde in der Zeit vom 22. August bis zum 14. September mittels computergestützter Telefoninterviews (CATI) durchgeführt. (dw)