George Soros sieht in US-Tech-Konzernen wie Google und Facebook eine Gefahr für die Demokratie, berichtet das "Handelsblatt". Bei seiner diesjährigen Rede am vorletzten Abend des Weltwirtschaftsforums in Davos habe der ebenso legendäre wie kritische US-Investor ordentlich gegen die Internetgiganten ausgeteilt: "Soziale-Medienunternehmen täuschen ihre Nutzer, indem sie ihre Aufmerksamkeit manipulieren und diese auf ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen lenken", sagte der 87-Jährige. In ihren Anfängen hätten Firmen wie Facebook und Google innovativ und befreiend gewirkt. Doch seitdem sich die Konzerne zu mächtigen Monopolen entwickelt hätten, würden sie Innovationen eher behindern.

Nicht nur das: Die sozialen Medien würden auch Einfluss darauf nehmen, wie Menschen denken und sich verhalten – ohne, dass diese sich darüber bewusst seien. "Das hat weitreichende negative Konsequenzen für die Funktionsweise von Demokratien, vor allem aber auf die Integrität von Wahlen", sagt Soros.

Der Investor kämpft mit seiner Open Society Foundations dafür, die freiheitlich-demokratische Grundordnung weltweit zu verteidigen. Soros verglich die sozialen Medien mit Casinos, die ihre Spieler bewusst in die Abhängigkeit trieben. Das sei insbesondere für Jugendliche sehr schädlich.

Verlust der geistigen Freiheit droht
Menschen, die im digitalen Zeitalter aufwachsen, drohten die geistige Freiheit zu verlieren und könnten daher leicht manipuliert werden, sagte Soros. Er warnte vor einer Allianz zwischen autoritären Staaten und den "Big Data"-Unternehmen. Diese würde die neuentstandenen Systeme der privatwirtschaftlichen Überwachung mit einer bereits ausgereiften staatlichen Überwachungsstruktur zusammenbringen. "Das könnte in einem Netz totalitärer Kontrolle enden, welches sich in dieser Form noch nicht einmal Aldous Huxley und George Orwell haben vorstellen können", lautete Soros‘ Warnung.

Der 87-Jährige sagte den Tech-Konzernen jedoch schwerere Zeiten voraus. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Dominanz von Facebook und Co. gebrochen werde: "Davos ist ein guter Ort um zu verkünden, dass ihre Tage gezählt sind." Ein Mix aus Regulierung, höheren Steuern und den Taten der EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager werde sie in Zukunft schwer belasten. (fp)