US-Anleger stürzen sich derzeit massiv auf europäische Gewerbeimmobilien. Schon im vergangenen Jahr lagen deren Ausgaben laut den Daten von Real Capital Analytics nur knapp unter dem Rekordvolumen des Jahres 2007. Und nach einem starken ersten Quartal erwartet Simon Mallinson, Managing Director für Europa, den Nahen Osten und Afrika bei RCA, dass der Rekord in diesem Jahr wohl gebrochen wird. Die amerikanischen Investoren seien überzeugt, dass es auf dem Kontinent Kaufgelegenheiten durch verzerrte Preise gebe.

"Angesichts des immer teureren US-Marktes und des aufkommenden Währungsvorteils unternehmen US-Investoren einen großen Vorstoß nach Europa", sagt auch Richard Divall, Leiter grenzüberschreitende Kapitalmärkte beim Makler Colliers International in London.

Der US-Dollar hat in den letzten zwölf Monaten 26 Prozent gegenüber dem Euro gewonnen. Der Greenback legt zu, da die US-Notenbank Kurs auf Zinserhöhungen in diesem Jahr genommen hat. Im Gegensatz dazu lockert die Europäische Zentralbank unter Mario Draghi die Geldpolitik weiter und hat mit einem Anleihekaufprogramm (QE) im Volumen von 1,1 Billionen Euro begonnen.

Die US-Investments in europäische Gewerbeimmobilien sind 2014 laut RCA um 90 Prozent auf 41,2 Milliarden Euro geklettert. Das bisherige Rekordvolumen lag 2007 mit 41,5 Milliarden Euro nur knapp darüber. In diesem Jahr bis zum 25. März summieren sich die Investments auf 8,9 Milliarden Euro und Verträge über weitere 3,3 Milliarden Euro sind bereits unter Dach und Fach.

"Ich erwarte nicht, dass der Trend endet"
Nach einer Studie von Deutsche Asset & Wealth Management stiegen die Investments in europäische Immobilien im vergangenen Jahr insgesamt um zwölf Prozent auf 160 Milliarden Euro. In diesem Jahr werde sich die Konjunkturerholung in der Region wahrscheinlich verstärken, was unter anderem auch zu einer größeren Binnennachfrage nach Immobilien führen werde. Doch selbst bei einem verstärkten Wettbewerb werden europäische Gewerbeimmobilien dieses Jahr für ausländische Käufer attraktiv bleiben. "Ich erwarte nicht, dass der Trend endet", sagt Pierre Vaquier, Chef von Axa Real Estate.

Rekordniedrige Erträge auf festverzinsliche Anlagen treiben Vermögensverwalter zum Kauf von Immobilien, um höhere Renditen zu erzielen. Colliers zufolge werden institutionelle Investoren in diesem Jahr ihre Immobilieninvestments um 52,5 Milliarden Dollar (48,6 Mrd. Euro) erhöhen, wobei Europa ein Kernziel ist. (mb/Bloomberg)