Die Steyler Bank kann bei ihren Nachhaltigkeitsfonds auf Research-Mitarbeiter der besonderen Art setzen: Die Missionare des Steyler Ordens dienen dem Institut als "Ethikscouts". "Die Missionare sitzen an den Brennpunkten in der Welt, etwa in Mittel- und Südamerika oder in Südostasien", erläutert Norbert Wolf, Geschäftsführer der Steyler Bank, im Interview mit FONDS professionell. "Beispielsweise sind uns kürzlich aus Indonesien Bilder eines zerstörten Regenwaldes, der dem Palmölanbau zum Opfer fiel, zugespielt worden. So gelangen einerseits Informationen von den Missionaren zu uns, andererseits fragen wir auch bei den Missionaren nach, wenn uns Missstände bekannt werden sollten."

Die Bank müsse jedoch vorsichtig sein, weil die Patres oft in Ländern tätig seien, die unter starker staatlicher Kontrolle stünden. "Eine Kollegin hat einmal ein Bergbauunternehmen in Indien besichtigt. Dies wurde vor ihrem Besuch komplett leergeräumt und grundgereinigt. Man bekam dort keine Arbeiter zu Gesicht", berichtet Wolf. Zur Besichtigung sei auch die Polizei vorgefahren und habe die Personalien der Anwesenden aufgenommen. "In solchen Fällen treten wir in den Dialog mit den Verantwortlichen", so Wolf. "Wenn die Missstände nicht abgestellt werden, kann es dazu führen, dass wir diese Firmen aus unserem Anlageuniversum ausschließen."

Anlageuniversum mit rund 500 Titeln
Die Steyler Missionare sind eine katholische Ordensgemeinschaft, in der sich über 6.000 Patres weltweit in sozialen Projekten engagieren. Mit der Steyler Ethikbank gründete der Orden vor rund 50 Jahren ein eigenes Kreditinstitut, das sich schon lange vor dem aktuellen Trend dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben hat.

"Als die Missionare die Bank gründeten, ging es vor allem um die Frage, wie wir das uns überlassene Geld anlegen", berichtet Wolf. "Die Anlage sollte unserem Wertesystem entsprechen und verantwortungsvoll sein. Wir setzen uns beispielsweise für den Frieden und die Bewahrung der Schöpfung ein. Da investieren wir natürlich nicht in die Rüstungs- oder Waffenindustrie."

Über die Jahre habe man jedoch gemerkt, dass eine Anlage, die sich nur nach Ausschlusskriterien richtet, nicht mehr zeitgemäß sei. "Wir wollten auch in Unternehmen investieren, die etwas Gutes für unsere Gesellschaft tun", so Wolf. Gemeinsam mit dem Researchhaus Oekom aus München habe die Bank ein Anlageuniversum mit rund 500 Titeln erarbeitet, das sowohl Ausschluss- als auch Positivkriterien berücksichtige.

"Private Kunden sind in erster Linie abhängig vom Berater"
Wolf teilt die Beobachtung, dass derzeit noch vor allem institutionelle Anleger auf nachhaltige Investments setzen. "Private Kunden sind in erster Linie abhängig vom Berater. Dort müsste man ansetzen", sagt er. "Der überwiegende Teil der Privatanleger ist relativ unbedarft. Der Kunde möchte in erster Linie sein Geld sicher anlegen und dabei eine gewisse Rendite erzielen. Die Frage, ob die vorgeschlagene Anlage auch mit dem eigenen Werteverständnis übereinstimmt, stellt sich kaum jemand."

Die Anlageberater seiner Bank müssten allerdings nicht viel Aufklärungsarbeit leisten. "Wir haben es da etwas einfacher als die herkömmlichen Banken", so Wolf. "Wir sind sozusagen der reinrassige Bioladen. Wir bieten nur Produkte an, die unseren Nachhaltigkeitskriterien genügen und auch ein Siegel besitzen." (mh/bm)


Das vollständige Interview mit Norbert Wolf ist in FONDS professionell 1/2018 auf Seite 296 erschienen. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.