Der Fondsmanager GAM bricht eine Lanze für den Biopharma-Sektor. Die Saat für zukünftige Renditen wurde längst gelegt: Als zur Jahrtausendwende das menschliche Genom entschlüsselt wurde, läutete dies eine transformative Ära in der Entdeckung neuer Medikamente ein. Die neuesten Fortschritte im Bereich der Genomik machten den Weg frei zu einer verblüffenden Vielzahl von neuen Ansätzen für gezielte Therapien, bis schließlich nach jahrzehntelanger medizinischer Forschung und Entwicklung neue Produkte hervorbracht wurden.

Von 2012 bis 2014 sorgte die Entwicklung dieses typischen Anlagezyklus bei Biopharma-Unternehmen für einen Anstieg der Bewertungskennzahlen und hohen Anlageerträgen. Laut Christophe Eggmann, Manager des GAM Health Innovation Equity Fonds, steht die nächste potenziell lukrative Phase des langfristigen Anlagezyklus im Biopharma-Sektor schon jetzt wieder vor der Tür.

Biotechaktien sehr niedrig bewertet
"In den letzten 18 Monaten befanden sich Gesundheitswerte in einer Konsolidierungsphase – ein gesunder Prozess in einem mehrjährigen Zyklus“, erklärt Eggmann. Gründe für diese Entwicklung seien vor allem die US-Präsidentschaftswahl und die vorübergehend rückläufigen Zulassungen neuer Medikamente gewesen.

Infolgedessen seien die Bewertungen gesunken und bewegten sich nun auf mehrjährigen Tiefständen, während die Fundamentaldaten so stark seien wie eh und je. "Biotechwerte notieren auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Datenerfassung, und die Positionen auf Käuferseite sind so gering wie zuletzt vor sechs Jahren“, fährt der Experte fort.

Revolution in der Medizin
Doch trotz vereinzelter Rückschläge bei der klinischen Entwicklung blieben Arzneimittel-Pipelines ein wichtiger Wachstumstreiber und somit für Anleger die Hauptquelle zur Wertschöpfung. "Die Kombination aus einem viel besseren Verständnis der Biologie von Krankheiten, der Fokussierung auf genetisch validierte Ziele und dem Einsatz von Biomarkern, um frühzeitig zu erkennen, ob ein Wirkstoff den gewünschten Effekt hat, revolutioniert die Behandlung vieler Krankheiten. Die Möglichkeit, eine Korrelation zwischen der Biologie des Patienten und spezifischen Genmutationen herzustellen, hat zu einer Zunahme der neuen Ziele für die Entdeckung von Medikamenten, zu kürzeren Entwicklungszeiträumen und zu höheren Erfolgsquoten bei klinischen Studien geführt“, so Eggmann. Darüber hinaus entstehe durch globale Allianzen und Partnerschaften zwischen Biopharma-Unternehmen und Hochschulen eine offene Plattform, die dazu beitrage, die Standards für Therapien in diversen Indikationsgebieten durch Innovationen zu verbessern.
 
Zahlreiche Krankheitsbilder warten zudem noch auf bahnbrechende Therapien: "Während bei der Behandlung von Krebs, Erkrankungen des zentralen Nervensystems, Lebererkrankungen, Multipler Sklerose, seltenen Krankheiten, Mukoviszidose und anderen genetisch bedingten Krankheiten gute Fortschritte erzielt wurden, bleibt noch viel zu tun, um das Potenzial der neuesten wissenschaftlichen Entdeckungen voll auszuschöpfen“, so Eggmann.
 
Fusionen und Übernahmen weiterhin interessant
Das Jahr 2017 verspricht seiner Einschätzung nach ein sehr wichtiges zu werden. "Uns erwarten prall gefüllte Pipelines, positive Nachrichten und eine stärkere Fokussierung auf die Zielsetzung, Produkte zur Marktreife zu bringen. Unsere Gespräche mit führenden Management-Vertretern großer Unternehmen ergaben, dass das Interesse an Fusionen und Übernahmen ungebrochen ist“, so Eggmann.

Wann die Fusions- und Übernahmeaktivität (M&A) anziehen wird, ließe zwar nur schwierig bestimmen. Der Experte vertritt allerdings die Ansicht, dass die CEOs nur noch weitere Bestätigungen für den Wert von Produktpipelines benötigen, damit der Startschuss fällt. "Innovative Produkte verändern den Markt radikal, gewinnen Marktanteile und weckten den Neid größerer, nach Wachstum dürstender Unternehmen. Im Biopharmasektor wird diese enge Beziehung zwischen Innovation und M&A den Anlagezyklus noch geraume Zeit antreiben. Mit unserer deutlichen Ausrichtung auf Innovationen sind wir unserer Ansicht nach gut positioniert, um zu Beginn dieser potenziell lukrativen Phase des Zyklus attraktive Anlagemöglichkeiten zu nutzen“, schließt Eggmann.

Positiver Ausblick bestätigt
Dass der Gesundheitssektor einer glänzenden Zukunft entgegensieht, finden auch andere Experten. Nach Überzeugung von Harald Kober, Senior Fondsmanager des Aktienfonds ESPA Stock Biotec bei der Ersten Sparinvest, werde der Biotechnologie-Sektor von neuen, innovativen und erfolgreichen Medikamenten-Entwicklungen profitieren: "Wir rechnen in den nächsten Jahren mit einem durchschnittlichen zweistelligen Umsatz- und Gewinnwachstum der an der Börse notierten Biotechnologie-Unternehmen.“

Investoren sollten ihre Aufmerksamkeit daher wieder verstärkt Biotech-Aktien zuwenden. So gehören diese Papiere zu den Bestperformern der vergangenen zehn Jahre, was zumindest aus Sicht des Momentums für weiter steigende Notierungen spricht. Der Nasdaq-Biotechnologie-Index, das für Biotech-Aktien wichtigste Kursbarometer, konnte seit Jahresbeginn rund 20 Prozent an Wert zulegen. Auch die Emissionstätigkeit hat im zweiten Quartal 2017 deutlich angezogen. Und das nicht ohne Grund: "2016 stammten bereits 60 Prozent aller Medikamenten-Zulassungen aus den Labors von Biotechnologie-Unternehmen“, wie Kober unter Berufung auf Zahlen von Evaluate Pharma feststellt. "Wir gehen davon aus, dass die Erfolgsquote der Biotech-Unternehmen rasant steigen wird“.

Das sei einer von mehreren Gründen, weshalb die Übernahmeaktivitäten wieder an Dynamik gewonnen haben. "Die großen Pharmariesen halten Cash für Übernahmen bereit. Wir sehen, dass sich die Emissionstätigkeit im zweiten Quartal 2017 verglichen mit den zwei Quartalen davor mehr als verdoppelt hat“.

Trendwende hat eingesetzt
Damit könnte die ersehnte Trendwende bei Biotech-Aktien begonnen haben. Kober: "Wir können natürlich nicht die Börsenentwicklung vorhersehen, aber es hat schon schlechtere Einstiegszeitpunkte gegeben." Auf Basis des Kurs-Umsatz-Verhältnisses sei der gesamte Sektor an der Börse nur etwa halb so hoch bewertet wie auf dem vorläufigen Höhepunkt der Aktienkurse im März 2015.

Das Gesundheitswesen gilt daher zurecht als Leitindustrie des 21. Jahrhunderts. Durch das Wachstum der weltweiten Bevölkerung auf 9,2 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 und die prognostizierte Verdoppelung der Personenanzahl über 60 Jahre bis dahin werden die Ausgaben für Gesundheit in den OECD-Ländern von derzeit 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 9,5 Prozent steigen. Trotz zahlreicher Innovationen und Forschungserfolge sind nur wenige Medikamente für die 1.200 seltensten Krankheiten am Markt.

Selbst in den Vereinigten Staaten (USA), die seit dem Amtsantritt von Präsident Trump durch die politische Debatte um eine Abänderung der Gesundheitsreform in die Schlagzeilen gerieten, wird die Gesundheitswirtschaft im nächsten Jahrzehnt der größte Arbeitgeber sein, erklärt Kober. Viele Krankheiten seien noch nicht erforscht, geschweige denn gäbe es wirksame Medikamente. Das könnte sich bald ändern. Für 2017 erwartet Kober die Zulassung einer ganzen Reihe neuer Medikamente, etwa des Hautkrankheitspräparats Dupixent von Sanofi, des Wirkstoffs Ocrevus von Roche gegen Multiple Sklerose oder Durvalumab, ein Onkologie-Medikament von Astrazeneca gegen Blasenkrebs. (aa)