In gut drei Monaten ist es soweit: Die Regeln der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II werden scharfgestellt. Tom Engel, Bereichsleiter Investment Produkte bei der Düsseldorfer Targobank, spricht mit FONDS professionell ONLINE darüber, wie weit die Vorbereitungen in seinem Institut vorangeschritten sind.

Herr Engel, die Banken stöhnen unter der Mifid-II-Umsetzung. Wie weit ist Ihr Institut mit den Vorbereitungen? Werden Sie Anfang kommenden Jahres startklar sein?

Tom Engel: Wir gehen fest davon aus. Wir sind mit dem Stand der Umsetzung der Mifid-II-Regeln zufrieden. Einige Details stehen zwar noch aus, aber das bereitet uns kein Kopfzerbrechen.

Ein großes Thema ist der Kostenausweis. Die Banken müssen ihren Kunden künftig schon vor dem Abschluss genau vorrechnen, mit welchen Kosten ihr Investment verbunden sein wird – inklusive Depotgebühr, Fondskosten und Vertriebsprovision. Bringt das die Berater nicht in arge Erklärungsnöte?

Engel: Wir weisen die Vertriebsfolgeprovision ohnehin schon seit Jahren in unseren Produktporträts aus – nicht nur prozentual, sondern auch den absoluten Betrag in Euro. Ich wage zu behaupten, dass wir einen der transparentesten Kostenausweise in der Branche haben. Das kann künftig unter Mifid II ein echter Vorteil sein, weil unsere Berater und Kunden schon gelernt haben, diese hohe Transparenz im Alltag zu leben. Dennoch dürfte der neue Kostenausweis zu Nachfragen der Kunden führen. Das muss für uns Ansporn sein, unsere Dienstleistung zu erläutern: Fachkundige Beratung kostet Geld.

Gibt es bei Ihnen auch im nächsten Jahr noch eine Beratung via Telefon? Schließlich gelten dann rigide Aufzeichnungspflichten.

Engel: Unsere Kunden werden auch künftig über den Telefonweg Orders aufgeben können. Die technischen Voraussetzungen dafür haben wir bereits geschaffen.

Wie der neue Geeignetheitstest aussehen wird, steht noch nicht im Detail fest. Klar ist aber, dass die Kunden während der Beratung wohl deutlich mehr von sich preisgeben müssen, als das heute der Fall ist. Welche Auswirkungen auf Ihren Beratungsprozess erwarten Sie?

Engel: In unserem IT-gestützten Beratungsprozess "Persönliche Finanzplanung", mit dem wir bereits seit 14 Jahren arbeiten, fragen wir schon heute zahlreiche Daten von den Kunden ab. Diesen Prozess müssen wir an der einen oder anderen Stelle anpassen, an das Prinzip haben sich unsere Kunden und Berater aber längst gewöhnt.

Auch die Produktselektion muss unter Mifid II strengeren Kriterien genügen als bisher. Welche Änderungen kommen in diesem Zusammenhang auf Sie zu?

Engel: Fonds auf unserer Empfehlungsliste durchlaufen einen umfangreichen Prüfprozess. In Zusammenarbeit mit Scope Analysis analysieren wir die Fonds und ETFs nach quantitativen und qualitativen Kriterien. Dazu kommt einmal im Jahr eine "Due Dilligence" der Kapitalverwaltungsgesellschaften. Stellen wir beispielsweise Mängel in der Organisation eines Anbieters fest, lehnen wir dessen Fonds ab, auch wenn dieser ansonsten überzeugen konnte. Der grundsätzliche Prozess, wie wir Fonds auswählen, ändert sich unter Mifid II nicht, er wird nur an einigen Stellen ergänzt. Eine kontinuierliche Produktüberwachung, wie sie künftig gefordert wird, gibt es bei uns auch schon seit Jahren. Wir aktualisieren quartalsweise die Einschätzungen zu allen Fonds, die wir jemals empfohlen haben. Wenn ein Kunde einen Fonds im Depot hat, dessen Rating wir auf "negativ" gesetzt haben, informieren wir ihn darüber.

Das heißt, Sie werden auch unter Mifid II an Ihrem Modell der "offenen Architektur" festhalten? Dem Vernehmen nach dürfte die Regulierung dafür sorgen, dass der Trend hin zu strategischen Partnerschaften zwischen Banken und Fondsanbietern zunehmen wird.

Engel: Wir waren im April 2000 die erste deutsche Filialbank, die eine offene Fonds-Architektur eingeführt hat. Wir sehen keinen Grund, davon abzuweichen. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass der Trend zu "Preferred Partnerships" im Markt weiter zunehmen wird, doch das ist nicht unsere Philosophie. Wir schauen uns alle Fonds und Anbieter an. Die offene Architektur bietet unseres Erachtens viele Vorteile, der damit verbundene Mehraufwand ist gerechtfertigt.

Eine weitere Neuerung betrifft die Definition der Zielmärkte. Ein Fonds darf künftig nur noch an Anlegergruppen vertrieben werden, für die er auch geeignet ist. Werden Sie die Zielmarktdefinitionen der Fondsanbieter eins zu eins übernehmen?

Engel: Bei den rund 100 Fonds und ETFs auf unserer Empfehlungsliste, mit der wir in der Beratung arbeiten, schauen wir uns für jedes Produkt genau an, ob die Zielmarktdefinition des Anbieters auch unserer Einschätzung entspricht.

Sie haben 2016 das "Plus-Depot" eingeführt, bei dem keine Ausgabeaufschläge für Fonds und keine Orderprovisionen für ETFs anfallen. Gibt es Überlegungen, mit Blick auf Mifid II in diesem Depotmodelle auch auf Bestandsprovisionen zu verzichten und im Gegenzug die jährliche Gebühr zu erhöhen?

Engel: Zunächst einmal freut es uns, wie gut das Modell bei unseren Kunden ankommt. Unsere intern gesetzten Ziele für das Gesamtjahr 2017 haben wir schon im Juli übertroffen. Derzeit haben wir nicht vor, das Preismodell zu überarbeiten. Es wird sich zeigen, wie der Markt insgesamt mit der erhöhten Transparenz umgeht. Wenn andere Banken beginnen, Depotmodelle ohne Bestandsprovisionen einzuführen, würden wir entsprechend reagieren.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)


Ein 13-seitiges Spezial zur Mifid-II-Umsetzung finden Sie in der kommenden Heftausgabe von FONDS professionell, die Ende September erscheint.