Der Goldpreis tendiert seit Monaten bestenfalls seitwärts, mit 1.200 US-Dollar notiert er immer noch rund 35 Prozent unter seinem Höchstwert aus 2011. In diesem Licht betrachtet muss das jüngste Statement des ehemaligen Vorsitzenden der US-Notenbank, Alan Greenspan, Balsam auf die Seele vieler Gold-Fans gewesen sein. Am 29. Oktober sagte er in einem Interview: "Gold ist eine Währung. Es ist nachweislich immer noch eine erstklassige Währung. Keine Fiat-Währung, einschließlich des Dollars, kann es mit ihr aufnehmen."

Einer, der sich ebenfalls darüber freut, ist Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel. Der Ökonom gibt ihm naturgemäß recht, wenngleich er sich auch ein wenig wundert: "Greenspan zu zitieren ist eine Pikanterie: Als Leiter der US-Notenbank hatte er wie kein anderer vor ihm das ungedeckte Papiergeld zelebriert, für Spekulationsblasen, Verschuldungs-Exzesse und 'Boom-und-Bust'-Zyklen gesorgt", so Polleit in seinem aktuellen Marktreport. Für ihn ist Gold aber nicht nur Geld, wie Greenspan anmerkt, sondern das "ultimative Zahlungsmittel".

In einem Chart zeigt der Ökonom die Entwicklung der Kaufkraft eines US-Dollar und einer Feinunze Gold seit 1970. Der US-Dollar hat demnach – gemessen an den Konsumentenpreisen – bis heute mehr als 80 Prozent seiner Kaufkraft verloren, während die Kaufkraft von Gold sage und schreibe 480 Prozent gestiegen ist. Polleit dazu: "Die Kaufkraft des Gold kann zwar mitunter sehr stark schwanken. Aber sie wird, anders als bei ungedecktem Papiergeld, nicht auf null fallen, weil Gold stets einen nicht monetären Wert hat – und wohl auch immer haben wird."

Dollar und Gold im Kaufkraftvergleich
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Quelle: Thomson Financial, Degussa Goldhandel

Im Gegensatz zu den ungedeckten Papierwährungen verliere Gold laut Polleit seine Kaufkraft nicht unwiderruflich – weder durch Inflation noch durch Zahlungsausfälle von Schuldnern. "Gold ist Geld, und als solches steht es im direkten Wettbewerb mit den ungedeckten Papierwährungen, nicht aber mit Anleihen, Aktien oder Häusern, deren Wertentwicklung häufig dem Gold gegenübergestellt wird."

"Der Schlummer wird nicht anhalten"
Zwar schien es ab Beginn der 1980er-Jahre zunächst so, dass Papiergeld Gold tatsächlich dauerhaft verdrängen werde können. Bereits mit dem Zusammenbruch des "New Economy"-Booms und dem Beginn des markanten Goldpreisanstiegs sollte sich das jedoch als Täuschung herausstellen, wirft der Ökonom einen Blick auf die Historie. Auch die internationale Finanzkrise sei ihm zufolge kein isoliertes Ereignis, sondern eine Fortsetzung der immer größeren Probleme, die durch das Papiergeld entstanden.

"Die 'Rettungspolitiken' der Regierungen und Zentralbank mögen das Problembewusstsein vieler Sparer und Anleger erfolgreich eingeschläfert haben. Doch der Schlummer wird nicht anhalten", zieht Polleit Resümee. "Beim Erwachen wird deutlich werden, dass Alan Greenspans Worte den Kern der Sache treffen: Mit Gold kann keine ungedeckte Papierwährung mithalten." (dw)