Der auf die Verwaltung von Rohstoffmandaten spezialisierte Asset Manager Tiberius Group berichtet in seinem jüngsten Monatsbericht, dass seine Timing-Modelle für die Rohstoffmärkte derzeit gemischte Signale liefern. Während die fundamentalen Ansätze nach wie vor "long" sind, liefert die technische Analyse Warnsignale, auch das sogenannte "Kapitalfluss-Timing-Modell, das auf den US Commitments of Traders -Daten beruht, offenbare zuletzt starke Abflüsse spekulativer Marktteilnehmer. Da hier ist erst etwa die Hälfte der Nettokaufpositionen rückabgewickelt wurde, müsse mit weiteren Verkäufen gerechnet werden. Nur bei Industrie- und Edelmetallen, so das Investmenthaus, sind die Kaufpositionen auf neutrale oder unterdurchschnittliche Werte gefallen, so dass hier eher Aufwärtspotenzial bestehe.

Tiberius sieht in der aktuellen Markt- und Signallage Ähnlichkeiten zum Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch damals lagen technische Verkaufssignale   vor - vor allem das Abrutschen des gleitenden 200-Tage-Durchschnitts, der als zuverlässiger Signalgeber eingestuft wird, signalisierte fallende Kurse. Da dieser Rückgang fundamental nicht begründet sei, erwartet Tiberius dennoch eine Erholung im weiteren Jahresverlauf:  "Wir sind jedoch davon überzeugt, dass noch im dritten Quartal das erneute Überqueren des 200-Tage-Durchschnitts und die Rückkehr in den Aufwärtstrendkanal gelingen, da wir wie in 2010 aktuell keinen Konjunktureinbruch erkennen können. Die von uns erwartete Aufwärtsbewegung dürfte jedoch im Unterschied zu 2010 nicht von einem neuen Quantitativ- Easing-Programm, sondern vielmehr von Knappheit bei Industrierohstoffen angetrieben werden. Unseres Erachtens werden gute Konjunkturdaten in der zweiten Hälfte des dritten Quartals vor allem Kupfer und Zinn unterstützen, denen wir vom heutigen Kursniveau mehr als 20% Performance zutrauen. Ähnliches gilt für die Edelmetalle, wobei wir hier Palladium und Platin am besten unterstützt sehen."

Auch im Bereich der Energierohstoffe erwartet das Investmenthaus eine Preisentwicklung, die von Knappheit geprägt wird. Die Maßnahme der Internationalen Energieagentur, einen Teil der strategischen Reserven anzugreifen, werde die sich Knappheit jedoch tendenziell in das vierte Quartal verschieben, so kurzfristig mit einem Seitwärtstrend zu rechnen sei.

Eindeutig bearish ist Tiberius hingegen für die Sparte der Agrarrohstoffe. Bei Soft Commodities wie Zucker und Baumwolle liegen global Überschüsse, was insbesondere die Perspektiven des immer noch hoch stehenden Zuckerpreises   belaste. Bei den Getreiden zeichne sich bei Mais und Soja in den vereinigten Staaten ein normaler Ernteverlauf ab, der zumindest bei Mais für einen signifikanten Marktüberschuss sorgen sollte. Bei Weizen sind ausreichend hohe Lagerbestände vorhanden, um wetterbedingte Produktionseinbußen in den USA aufzufangen.

Der Rückgang der Futtermittelpreise wirkte sich zuletzt positiv auf die Margen von Lebendvieh-Produzenten aus, so dass in diesem Bereich mittelfristig keine Angebotsverknappung wahrscheinlich sei. Das lässt erwarten, dass nach den jüngsten Preisanstiegen im Bereich Lebendvieh vorläufig keine weitere Outperformance zu erwarten sei.