Selten hat ein Börsenchart ein so großes Medienecho ausgelöst und wurde so heftig diskutiert wie der Verlaufsvergleich zwischen 1929 und heute. Für Robert Rethfeld, Herausgeber des Börsenbriefs "Der Wellenreiter" und Betreiber der Webseite wellenreiter-invest.de, ist die Kritik, die an der Chatanalyse geäußert wird, nicht nachvollziehbar. Laut Rethfeld, der mit seinen eigenen Analysen vor allem in den Jahren 2007 und 2008 oft goldrichtig lag, sei sie durchaus lehrreich.

In dem sagenumwobenen Chart, der in den USA seit Monaten die Runde macht, zieht der US-Analyst Tom McClellan Parallelen zwischen dem Preismuster des Dow Jones Index der späten 1920er-Jahre und dem aktuellen Muster (FONDS professionell ONLINE berichtete). Vor allem in Deutschland stößt McClellan damit auf Kritik: Die Aufregung sei grundlos, schreibt etwa das Beratungsunternehmen Ypos Consulting. In einem Handelsblatt-Artikel ist die Rede von einem "raffinierten Trick", mit dem Anleger manipuliert würden.

Teil der Arbeit und gängige Praxis
In seiner aktuellen Kolumne bricht Rethfeld eine Lanze für die Arbeit seines US-amerikanischen Kollegen: "Es ist eindeutig überzogen, den Researchern, die Preismuster-Analogien erstellen, unlautere Absichten zu unterstellen. Mit Hilfe von Chartanalogien lassen sich Preismuster und Korrelationen herausarbeiten. Um Preismuster erkennen zu können, legt man sie am besten übereinander. Das ist Teil der Arbeit und gängige Praxis."

Auf die Frage, wie es nun weitergeht, richtet Rethfeld sein Augenmerk auch auf den Verlauf des S&P 500. Die jüngste Stärke des Leitindex sei ihm zufolge das stärkste Argument gegen eine Fortsetzung der Crash-Analogie. Es gebe allerdings auch weniger gute Zeichen: So bleibe etwa das Handelsvolumen an guten Tagen schwach und umgekehrt. Der Risikoindex des Chicago Board of Exchange zeige außerdem eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine deutliche Abwärtsbewegung an.

Kinofilme als Crash-Indikator
Und Rethfeld verweist auf einen weiteren – eher kurios anmutenden – Crash-Indikator. Sorgen macht ihm demzufolge Martin Scorseses neuer Kinofilm "The Wolf of Wall Street", der kurz nach Weihnachten in die deutschen Kinos kam. "Wenn Filme mit dem Titel 'Wall Street' in die Kinos kommen, dann stand der Aktienmarkt bereits zweimal vor einer bemerkenswerten Schwächeperiode. Oliver Stones Film 'Wall Street' mit Michael Douglas startete 1987 kurz vor dem großen Crash in den Kinos. Eine Fortsetzung des Films mit Michael Douglas in der Hauptrolle mit dem Titel 'Wall Street: Geld schläft nicht' hatte seine Welturaufführung im Mai 2010. Damals sorgte der 'Flash Crash' in einem schwachen Mai-2010-Umfeld für Schlagzeilen." (dw)