Es wäre ein echter Tabubruch: Die Schweizer Privatbank Julius Bär führt gerüchtehalber womöglich bald Strafzinsen für ihre Kunden ein. So könnten die Negativ-Zinsen in Höhe von 0,3 Prozent, die Geschäftsbanken mittlerweile für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen, generell an Anleger weitergegeben werden– zunächst nur an institutionelle Investoren, im zweiten Schritt auch an Privatkunden.

Das kommt nicht überraschend, sagt Uwe Eilers, Chef der Vermögensverwaltung Geneon Vermögensmanagement. "Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die erste Bank negative Einlagenzinsen auf Kontokorrentguthaben und Termingelder verlangen wird." Prescht erst einmal eine Bank vor, ziehen alle anderen bonitätsstarken Institute nach, ist Eilers überzeugt. "Im laufenden Jahr könnten Banken deutschen Sparern erstmals Negativzinsen bescheren, möglicherweise als Gebühren bezeichnet."

Dieser Schritt muss Verbrauchern nicht unbedingt zum Nachteil gereichen. Sie tun sich nämlich mit ihrem störrischen Festhalten am Sparbuch keinen Gefallen, meint der Vermögensverwalter: "Negativzinsen könnten den Prozess des Umdenkens beschleunigen und dazu führen, dass immer mehr Anleger in auch verschiedene andere Anlageklassen diversifizieren." Ein Teil der 2,1 Billionen Euro, die allein in Deutschland auf Tages- und Termingeldkonten regelrecht versauern, könnte also bald in Aktien fließen.

Mickerzinsen und kein Ende
Denn auf Sicht dauert die Misere bei Zinsprodukten an. Trotz des zwischenzeitlichen Crashs am Rentenmarkt im Mai vergangenen Jahres erreichten die Renditen deutscher Bundesanleihen Ende des Jahres wieder Rekordtiefstände. Die Rendite einer Bundesanleihe mit zwei Jahren Laufzeit beträgt minus 0,35 Prozent, die mit fünf Jahren null Prozent. Erst eine Bundesanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren bringt 0,5 Prozent Plus. In der Schweiz beträgt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen derzeit sogar minus 0,2 Prozent, erst Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit bringen ein Plus von 0,5 Prozent. (fp)