Die Europäische Zentralbank (EZB) steigt im großen Stil in das Quantitative Easing (QE) ein: der Aufkauf von Schulden in Form von Asset Backed
Securities (ABS) und Pfandbriefen, bezahlt mit neu geschaffenem Geld. EZB-Präsident Mario Draghi deutete bereits ein Volumen von 700 Milliarden Euro an. "Doch das wird nicht das Ende der Fahnenstange, sondern nur der Anfang einer großangelegten Geldmengenausweitung sein", ist Thorsten Polleit überzeugt, Chefökonom von Degussa Goldhandel.

Ein "QE XXL" hätte eine Reihe von Konsequenzen. "Der Außenwert des Euro würde vermutlich weiter nachgeben – möglicherweise ähnlich, wie der Yen jüngst abgewertet hat", so Polleit. Nachdem die japanische Notenbank Ende 2012 durchblicken ließ, sie werde eine QE-Politik verfolgen, begann der Yen stark nachzugeben. Die Kreditaufkäufe der EZB dürften auch einen Abwärtssog auf die Marktzinsen ausüben, so der Ökonom. "Sie würden dem Euroraum anhaltend japanische Zinsverhältnisse bescheren. Das klassische Sparen findet damit sein Ende." Es komme zudem zu schweren volkswirtschaftlichen Schäden, die die Wachstumsaussichten der Volkswirtschaften verdüsterten.

EZB leitet Inflationspolitik ein
Für die Inflationseffekte der Geldmengenvermehrung werde entscheidend sein, in welchem Ausmaß das QE die Geldmenge M3 ausweitet. Denn M3 ist die Geldmenge, die nachfragewirksam verwendet wird. "Die erste Welle des Preisauftriebs als Folge einer Geldmengenausweitung würde sich vermutlich in den Vermögensmärkten ereignen – und zwar dann, wenn das neu geschaffene Geld verwendet wird, um zum Beispiel Aktien und Immobilien zu kaufen", so Polleit. Nullzinspolitik und unbegrenzte Geldversorgung für Banken ließen sich kaum anders deuten als die Vorstufen einer Inflationspolitik. "Schließlich lautet eine berechtigte Einschätzung: Der Euroraum lässt sich nicht zusammenhalten, ohne dass der Euro nach innen und außen entwertet wird." (mb)