Papiergeld und die darin ausgewiesenen Zahlungsversprechen werden an Wert einbüßen. Inflation kommt. Davon ist Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel, offenbar überzeugt. In seinem aktuellen Marktreport schreibt er: "Ein steigender Goldpreis lässt sich als Vorwegnahme der kommenden Entwertung interpretieren." 

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts ist der Preis des beliebten Edelmetalls bekanntlich stark gestiegen. Im März 2001 kostete eine Feinunze Gold weniger als 260 US-Dollar, Ende Juli 2014 rund 1.300 US-Dollar. Der Goldpreis hat sich folglich verfünffacht. Mit anderen Worten: Die Kaufkraft des US-Dollar gegenüber Gold ist um etwa 80 Prozent (!) gefallen.

"Vorlaufeigenschaft" des Goldpreises
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Die Grafik zeigt den Goldpreis (in US-Dollar je Feinunze) und die öffentlichen Schulden (in Prozent des BIP); Quelle: Thomson Financial, Degussa Goldhandel

Dennoch werde Gold von Zentralbanken, Politikern, "Mainstream"-Ökonomen und den ihnen ergebenen Medienvertretern nicht selten in ein schlechtes Licht gerückt, beklagt sich Polleit. Die Rede sei von Preisübertreibung oder Preisblase. Dabei verdiene Gold als nicht ungedecktes Papiergeld Vertrauen. "Mit dem Platzen des 'New Economy'-Booms 2000/2001 ist weltweit ein in Friedenszeiten bislang nicht beobachtbarer Schuldenzuwachs – vor allem der Staaten und Banken – in Gang gekommen. Doch ein solcher Schuldenboom ist endlich", schreibt Polleit.

Bekommen Rechnung früher oder später präsentiert
Zwar sei es den Zentralbanken bis dato gelungen, Staaten und Banken liquide zu halten. Für Polleit seien die Folgen einer solchen Politik aber absehbar, die aufgelaufenen Schulden können ihm zufolge nicht mehr ehrlich beglichen werden. "Die Rechnung wird früher oder später – je nach politischer Interessenlage – in Form von Schuldenentwertung, steigender Besteuerung, Inflation oder einer Kombination aus allem den Bürgern präsentiert werden." (dw)