US-Dollar und Goldpreis bewegen sich seit Jahren in entgegengesetzte Richtungen. Das liegt daran, dass sich im Weltfinanzsystem nach wie vor alles um die Leitwährung dreht. "Der US-Dollar steht für den größten Kapitalmarkt und gibt die Richtung für die weltweiten Finanzmärkte vor", erklärt Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel. "Ist das Vertrauen in den US-Dollar groß, verringern sich die Anreize, Gold nachzufragen."

Vor diesem Hintergrund müsste man eigentlich einen anhaltenden Preisverfall von Gold erwarten. Denn während die Zentralbanken in Europa, Japan und China laut über eine expansivere Geldpolitik nachdenken oder das Geldangebot wenigstens stabil halten, will die Federal Reserve in den USA ihr Quantitative-Easing-Programm dem Vernehmen nach bereits mit Ende des Jahres auslaufen lassen. Theoretisch müsste also, sollte es tatsächlich dazu kommen, der US-Dollar gegenüber Euro, Yen und Renminbi aufwerten – und in der Folge der Goldpreis weiter fallen.

Fortsetzung der Gold-Renaissance wäre kein Wunder
Dies sei laut Polleit aber nicht zwingend der Fall. "Der Goldpreis kann trotz Aufwertungstendenz des US-Dollar (weiter) steigen – was wohl dann der Fall wäre, wenn keine der großen Volkswirtschaften aus der QE-Politik aussteigt", schreibt der Gold-Fachmann in einem aktuellen Marktreport. Eine fortgesetzte Renaissance des gelben Edelmetalls  sei aus seiner Sicht nicht verwunderlich. Dagegen spricht, dass Gold derzeit als "sicherer Hafen" scheinbar wenig gefragt ist. 

Polleit hat dafür eine einfache Erklärung parat: "QE hat die Sorgen vor Kreditausfällen vertrieben. Dadurch erscheint vielen das Halten von Gold zu Absicherungszwecken nicht mehr erforderlich zu sein." Erschwerend kommt aus Sicht der Gold-Fans hinzu, dass sich der prognostizierte Inflationsanstieg bisher nicht eingestellt hat, vielerorts wird sogar über Deflation gesprochen, was die Gold-Nachfrage wiederum mindert. Ein dritter Grund könnte sein, dass es durch den leichten Zinsanstieg teurer geworden ist, Gold zu halten.

Goldpreis bis Jahresende auf rund 1.400 US-Dollar 
Polleit geht aus heutiger Sicht dennoch von einem steigenden Goldpreis aus. Eine Feinunze Gold notiert aktuell im Bereich die Marke von 1.300 US-Dollar und damit noch immer mehr als 30 Prozent unter ihrem Höchstwert aus dem September 2011. Damals kostete eine Feinunze rund 1.900 US-Dollar. Zu Beginn des Jahres 2014 stand der Wert bei rund 1.200 US-Dollar. Bis Jahresende werde er auf 1.391 bis 1.480 US-Dollar steigen, so Polleits aktuelle Prognose. (dw)

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Quelle: Bloomberg, Degussa Goldhandel