Der multi-ethnische Konflikt im Irak hat die Rohölpreise anziehen lassen. Damit aber nicht genug. Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel, fürchtet nun, dass sich der Konflikt ausbreiten und es dadurch zu Engpässen bei Rohöl kommen könnte. "Eine Verknappung der Ölversorgung – und eine Verteuerung der Energieträger – hätte weitreichende Effekte für die ölimportierenden Länder und damit für die Weltwirtschaft", so Polleit in seinem aktuellen Marktkommentar.

Der Mittlere Osten ist für mehr als 32 Prozent der weltweiten Ölversorgung verantwortlich. Der irakische Anteil belief sich Ende 2013 auf 3,7 Prozent, der des Irans auf vier Prozent. Der Anteil Saudi Arabiens wird auf 13,1 Prozent geschätzt. Polleit gibt daher zu bedenken: "Ein Ausbreiten der Konflikte in dieser Region birgt daher zweifelsohne die Gefahr weltweiter Versorgungsengpässe."

Eine Angebotsverknappung führt bei gleichbleibender Nachfrage in der Regel zu Preissteigerungen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, würde das wachstumsdämpfend wirken. Denn dann müsste ein wachsender Einkommensteil für Energie aufgewendet werden und stünde in der Folge nicht mehr für Konsum und Investitionen zur Verfügung, erklärt Polleit. Außerdem würde eine Energieverteuerung für Inflation sorgen und die Zentralbanken womöglich dazu bewegen gegenzusteuern.

Inflations- und Krisenbarometer zugleich
Für Gold-Anleger könnte dies trotz allem eine gute Nachricht bedeuten. Denn laut Polleit existiert ein recht enger, positiver Zusammenhang zwischen Öl- und Goldpreis (siehe Grafik). Ihm zufolge hat ein Energiepreisschock das Potenzial, die Preise auf breiter Front in die Höhe zu treiben – einschließlich des Goldpreises. "Öl und Gold sind offensichtlich Inflations- und Krisenbarometer zugleich."

Das Fazit lautet: "Ein Störfeuer aus dem Mittleren Osten könnte folglich weitreichende Konsequenzen haben, auch und vor allem für den Geldwert. Das Halten von Gold ist in diesem Umfeld eine verlässliche Versicherung, zumal der aktuelle Preis des gelben Metalls niedrig zu sein scheint", so Polleit. Seine Goldpreisprognose für das vierte Quartal 2014 liegt unverändert zwischen 1.391 und 1.480 US-Dollar. Zuletzt notierte eine Feinunze Gold wieder über der Marke von 1.300 US-Dollar. (dw)

Öl- und Goldpreis steigen im Gleichschritt
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Die Serien sind indexiert (1951=100); Quelle: Thomson Financial, Degussa Goldhandel