"Rohstoffe waren aus Sicht eines Long-Only-Investors in den letzten Jahren ein Trauerspiel", räumt Frank Schallenberger, Head of Commodity Research bei der LBBW am Anfang seines Vortrages vor professionellen Marktteilnehmern in Wien ein. Vom vielgepriesenen Rohstoff-Superzyklus sei nichts mehr geblieben, "wir sind bei Rohstoffen dort, wo wir vor rund zehn Jahren gestanden sind", erklärt Schallenberger. Viele Investoren glaubten, dass ein weniger dynamisches Wachstum in China und anderen Schwellenländern für eine geringere Rohstoffnachfrage sorgten. Dabei sei das Gegenteil der Fall, erklärte Schallenberger am Beispiel des chinesischen Automobilmarkts: Wurden vor einer Dekade in China monatlich rund 200.000 Autos neu zugelassen, hat sich dieser Wert trotz eines niedrigeren BIP-Wachstums, aber aufgrund der wesentlich höheren Basis auf zwei Millionen verzehnfacht. Alll diese Autos benötigten Stahl und andere Rohstoffe sowie Treibstoff. Daher sollte auch in den nächsten Jahren die Rohstoffnachfrage hoch bleiben, schloss Schallenberger.
 
Beim Einstieg in Öl ist Geduld gefragt
Der niedrige Ölpreis werde der Weltkonjunktur Rückenwind geben und für steigende Rohstoffnachfrage sorgen. Für den Ölpreis zeigte sich Schallenberger pessimistisch. Es seien noch zu wenig Schieferöl-Förderunternehmen Pleite gegangen. Erst wenn es eine massive Marktbereinigung gegeben habe, würde der Ölpreis steigen. Des Weiteren seien sehr viele Spekulanten Öl long, wie die CFTC-Statistik der Futures-Börsen und die Absatzzahlen von Öl-ETFs zeigten. Diese Marktteilnehmer müssten kapitulieren und ihre Bestände auflösen, um Öl neue Perspektiven zu ermöglichen. Es spreche vorläufig wenig für einen steigenden Ölpreis, erklärte Schallenberger und riet zu Geduld beim Einstieg.
 
Optimistisch zeigte der LBBW-Rohstoff-Chef für Basismetalle, insbesondere für Aluminium und Nickel. Diese hätten ihren Boden gefunden. Für Kupfer ist er hingegen etwas reservierter. Gut laufen sollten auch Edelmetalle, vor allem Palladium, das von der Nachfrage der Autoindustrie profitiere. Auch Gold sollte steigen, da rund fünfzehn Prozent der Goldminen beim aktuellen Preis nicht profitabel seien und irgendwann vom Markt ausscheiden müssten. Das sollte über eine niedrigere Produktionsmenge zu steigenden Goldpreisen führen.
 
Auch das Marktsentiment sei für Gold und andere Edelmetalle vorteilhaft: "Aktien und Anleihen sind in den letzten Jahren stark gestiegen, nur Edelmetalle sind zurückgeblieben. Daher sollten diese irgendwann nachziehen." Für Edelmetalle sprächen auch die niedrigen Opportunitätskosten in Form niedrigster Zinsen und ein wieder anziehendes Kaufinteresse von Indern und Chinesen. Schallenbergers Fazit lautete daher: "Rohstoffe bieten im Verhältnis zu Aktien und Anleihen ein sehr gutes Chancen-Risiko-Verhältnis!" (aa)