Japan hat aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und steht an einem Wendepunkt, sagt Jesper Koll, Head of Japan bei der Investmentgesellschaft Wisdom Tree. Er sieht vier Gründe, weshalb das Land schon bald zu einer führenden Wirtschaftsmacht aufsteigen könnte.

Erstens: Die Eigentümerstruktur japanischer Unternehmen. "Früher bestand die japanische Wirtschaft aus einem System des Insider-Kapitalismus, das Anreize für schlechte wirtschaftliche Entscheidungen bot. Banken gewährten Unternehmen nicht auf der Grundlage wirtschaftlicher Leistungen Kredite, sondern um Beziehungen zu pflegen", sagt Koll. Mittlerweile haben sich japanische Unternehmen von geschlossenen Clubs zu geschäftsorientierten Einheiten gewandelt. 

Als zweiten Punkt nennt Koll das Entstehen einer neuen Mittelschicht in den kommenden drei bis fünf Jahren. Obwohl die Zahl der Beschäftigten seit Ende 2015 um rund ein halbes Prozent zurückging, ist die Beschäftigungsquote im selben Zeitraum um 1,5 Prozent gestiegen. "Die Belastung durch sinkende Bevölkerungszahlen wird also durch einen Anstieg der Menschen, die arbeiten und am wirtschaftlichen Leben teilhaben, mehr als ausgeglichen", sagt Koll.

Eliten zeigen sich geeint wie nie
Punkt drei: die neue politische Stabilität. "Zwischen 1990 und 2012 hatte das Land eine der instabilsten politischen Führungen in der neueren Geschichte", sagt der Japan-Experte. Seitdem hat sich Japan zu einer Bastion der politischen Stabilität gemausert, nicht zuletzt durch die Bemühungen des amtierenden Premierministers Shinzo Abe.

Als vierten Punkt führt Koll die Motivation und den Ehrgeiz der japanischen Machthaber an. "In meinen rund 30 Jahren im Geschäft habe ich die herrschenden Eliten noch nie so vereint in ihrem Eifer gesehen, Japans Status als unangefochtene Nation der ersten Riege zurückzugewinnen", sagt er. Während die vergangenen Jahrzehnte von Schwarzseherei und Fatalismus geprägt waren, zeichnet sich das Japan von heute durch Ehrgeiz, Selbstvertrauen und neu gewonnenen Idealismus aus. "Japan möchte Japan sein, nicht Amerika und auch nicht China", sagt Koll. (fp)