Wie lässt sich mit Geld noch Geld verdienen? Diese Frage, die noch nie leicht zu beantworten war, stellt sich Anlegern drängender denn je. Denn die laxe Geldpolitik der westlichen Notenbanken hat zwar einerseits das Finanzsystem gerettet, andererseits aber auch für Verzerrungen an den Finanzmärkten gesorgt. "Über die letzten Jahre wurden die Zinsen künstlich tief gehalten, was die Bewertungen sämtlicher Vermögenswerte nach oben getrieben hat", sagt Reto Hintermann, Portfoliomanager bei Swiss & Global.

Sichere Investments werfen längst keine auskömmliche Rendite mehr ab, und Aktienindizes, die nahe ihrer Rekordstände notieren, machen Anlegern den Einstieg mit Blick auf die unsichere Konjunktur auch nicht einfach. FONDS professionell ONLINE hat deshalb Anlageempfehlungen großer und kleiner Vermögensverwalter zusammengetragen.

"Die Volatilität ist zurück"
Auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen sich die Empfehlungen nur schwer. Konsens ist jedoch, dass die Zinsen wahrscheinlich nicht rasant weiter steigen werden, sondern noch lange auf vergleichsweise niedrigem Niveau verharren dürften.

Die meisten Experten raten eher zu Aktien- als zu Anleiheinvestments – auch wenn es an der Börse in den kommenden Monaten ruckelig bleiben sollte. "Die Volatilität ist zurück", bringt es das Blackrock Investment Institute in seinem jüngsten Marktausblick auf den Punkt. Manche Vermögensverwalter wittern nach dem Renditeanstieg bei ausgewählten Anleihen wieder Chancen, andere halten die Erträge festverzinslicher Papiere nach wie vor für deutlich zu niedrig.

Defensive Aktien sind bereits hoch bewertet
Trotz des unsicheren Konjunkturausblicks raten einige Investmentexperten zu eher zyklischen Aktien – aus einem einfachen Grund: Titel aus defensiven Branchen sind häufig bereits recht teuer geworden. "Wechseln Sie von überkauften ertragsorientierten und defensiven Werten langsam zu zyklischen Aktien. Bewertungsunterschiede zwischen hoch- und minderwertigen Aktien liegen fast auf Rekordniveau", schreibt etwa das Blackrock Investment Institute.

"Unsere internationale Aktienauswahl konzentriert sich nicht nur auf großkapitalisierte und defensive Werte", sagt auch Carlo Capaul, Portfoliomanager bei Swiss & Global. Christoph Leichtweiß, Finanzplaner bei Ypos Consulting aus Darmstadt, setzt ebenfalls zunehmend auf zyklische Titel.

Schwellenländeraktien locken mit günstigen Bewertungen, …
Eine weitere Empfehlung mit Blick auf Aktienengagements, die häufiger zu hören ist, bezieht sich auf Schwellenländertitel. Die Börsen der Emerging Markets stehen seit vielen Wochen unter Druck, vor allem aus drei Gründen: Erstens droht Chinas Wirtschaft eine harte Landung, zweitens lässt die Profitabilität vieler Konzerne in den Schwellenländern zu wünschen übrig, und drittens hat die Aussage der US-Notenbank Fed, langsam aus der laxen Geldpolitik aussteigen zu wollen, viele internationale Investoren ihre Gewinne mitnehmen lassen.

Doch steht es wirklich so schlimm um die einstigen Vorzeigeländer? "Auch wenn es momentan keine unmittelbaren Anzeichen dafür gibt, dass sich das Gewinnwachstum in den Schwellenländern beschleunigen wird, sind wir der Ansicht, dass der mittelfristige Ausblick auch für Schwellenmarktaktien weiterhin erfreulich ist", entgegnet Dan Morris, Anlagestratege für globale Märkte bei J.P. Morgan Asset Management. Die steigenden Löhne schmälerten zwar zweifellos die Gewinnmargen der Unternehmen, gleichzeitig werde damit aber die Kaufkraft der Verbraucher gestärkt und letztendlich eine höhere Nachfrage generiert.

… bergen jedoch hohe Risiken
"Wir halten die Aktienmärkte in den Emerging Markets aktuell für günstig bewertet, vor allem im Vergleich zu US-Aktien", ergänzt Thomas Metzger, Fondsmanager beim Bankhaus Bauer. Arndt Kussmann, Leiter der Finanzanalyse der Quirin Bank, nimmt sogar chinesische Aktien ins Visier – den meisten internationalen Investoren gelten diese Papiere derzeit als zu heiß: "In China hat sich Ministerpräsident Li Keqiang erstmals seit längerer Zeit besorgt zur konjunkturellen Entwicklung geäußert. Sollte es der Regierung gelingen, die Wachstumsraten zu stabilisieren und gleichzeitig den Bankensektor zu bändigen, ergäben sich gute Chancen für ein Ende der Durststrecke am chinesischen Aktienmarkt."

Das Blackrock Investment Institute rät Anlegern jedoch, nicht zu schnell auf eine Erholung der Titel zu setzen: "Die meisten Kennzahlen bei Schwellenländeraktien sehen gut aus – mit Ausnahme der freien Cashflows. Aber gerade diese werden relevant, falls sich die finanziellen Bedingungen verschärfen sollten." Anleger sollten mit der Schnäppchenjagd daher besser warten, bis sich die zuletzt sehr volatilen Währungen stabilisiert hätten.

Hochzinsanleihen bieten zumindest noch etwas Rendite
Die Schwellenländer spielen auch bei den Empfehlungen für Renteninvestments eine große Rolle. Swiss & Global etwa schreibt im aktuellen Quartalsausblick, die jüngste Ausweitung der Kreditprämien sei vor allem auf die Neuausrichtung der US-Geldpolitik zurückzuführen. In fundamentaler Hinsicht habe sich jedoch kaum etwas verändert. "Die Bewertungen sind durch die jüngste Korrektur um einiges günstiger geworden", so die Experten.

Chancen bergen einigen Vermögensverwaltern zufolge auch High-Yield-Papiere. "Hochzinsanleihen erscheinen auch nach dem jüngsten Renditeanstieg weiter attraktiv, denn die Ausfallquoten sind unverändert niedrig. Und angesichts der langsamen, aber stetigen Erholung dürfte sich hieran so bald nichts ändern", sagt etwa Jeff Hochman, Leiter der technischen Analyse bei Fidelity. Nur wenn die Zinsen für langfristige Anlagen steigen und sich die Gesamtlage deutlich eintrüben würde, dürfte den Hochzinsanleihen "ein rauer Wind entgegenschlagen", so Hochman.

"Von einer steigenden Volatilität profitieren"
"Nahezu alle Segmente von Anleihen bieten keine angemessene Vergütung von Kredit- und Laufzeitrisiken. Am attraktivsten erscheint noch das Segment der High-Yield-Anleihen, da sich dort eine Stabilisierung der Wirtschaft positiv auswirkt", sagt auch Finanzplaner Leichtweiß. "Dennoch: Auf Sicht der nächsten sechs Monate fühlen wir uns mit einer Portfoliostruktur aus Tagesgeld und Aktien am wohlsten. Die Segmente dazwischen sind fast ausnahmslos unattraktiv gepreist." Auch J.P.-Morgan-Stratege Morris meint, Rentenanleger müssten sich zukünftig intensiver mit der Verlustbegrenzung auseinandersetzen als mit der Gewinnmaximierung.

Anja Welz, Vorstand der Laureus Privat Finanz, hat aus dem unsicheren Börsenausblick ihre eigenen Konsequenzen gezogen: "Wir gehen davon aus, dass weiterhin kein klarer Trend erkennbar ist und dass zugleich die Volatilität an den Märkten weiter zunimmt. Vor diesem Hintergrund haben wir in unserem Multi-Asset-Fonds bereits Anlageinstrumente beigemischt, die von einer steigenden Volatilität profitieren. (bm)