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09.11. | 2011

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Superfund-Chef Baha zum MF-Global-Konkurs

Der Skandal um den Terminmarktbroker MF Global, der wie berichtet am 31.10.2011 um Gläubigerschutz gemäß Paragraf 11 des US-Insolvenzrechts angesucht hat, zieht inzwischen weltweit Kreise.
Die im Eigenhandel entstandenen Verluste, die die Insolvenz des Untenehmens verursachten, betreffen bisher vorliegenden Informationen zufolge unter Umständen auch Kundengelder, die möglicherweise widerrechtlich für Spekulationen eingesetzt wurden.
Bisher ist das nicht eindeutig bewiesen, Medienberichte sprechen von FBI-Ermittlungen und der frühere MF Global Chef Jon Corzine ist inzwischen von seiner Funktion zurück getreten, die betroffenen Kunden von MF Global warten hier aber noch auf endgültige Klarheit.
Fondsanbieter aus dem Managed-Futures-Bereich, die Konten bei MF Global führten, sorgen sich derzeit dennoch, dass ein Teil ihres Kapitals verloren sein könnte. Parallel dazu sind sie in ihren Handelsaktivitäten eingeschränkt, weil Positionen bei MF Global eingefroren waren bzw. ihre Gelder erst auf andere Brokerhäuser übertragen werden mussten.

Eines der betroffenen Unternehmen ist der österreichische Alternative-Investment-Anbieter Superfund, in einem Informationsschreiben hat er seine Kunden informiert, dass einige Superfund-Fonds betroffen sein könnten, bislang aber nicht exakt gesagt werden könne, wie hoch ein allfälliger Schaden ausfallen werde. FONDS professionell erreichte Superfund-Gründer Christian Baha telefonisch für eine Stellungnahme.
 
Herr Baha, wissen Sie schon, wie vieler ihrer Fonds und welche betroffen sind?
Christian Baha: Betroffen sind nur jene Fonds, die mit unserem Managed-Futures-Handelssystem verwaltet werden.  Definitiv nicht betroffen sind die im Aktienbereich investierenden Superfund Blue Fonds.
 
Wie wichtig war MF Global für Sie als Broker?
Baha: MF Global war nur einer von vier Brokern. Zuletzt lagen 5,6 Prozent des gesamten Superfund-Fondsvermögens dort.
 
Wieso so wenig?
Baha: Weil  unser Risikomanagement auf die Aktienkursentwicklung von MF Global reagiert hat und wir unser Exposure bei MF Global stark reduziert haben.
 
Wie sieht die Schadenssumme im schlimmsten Fall aus?
Baha: Gemäß dem derzeitigen Stand der Prüfung der amerikanischen Aufsichtsbehörden fehlen von den Kundengeldern 11,6 Prozent. Das wären – sofern Superfund aliquot betroffen sein sollte – weniger als acht Millionen US-Dollar des Fondsvermögens der betroffenen Superfund Fonds. Für unsere Investoren würde sich daraus ein Verlust von 0,6 bis zu 1,1 Prozent, bezogen auf den jeweiligen Fondsindex, ergeben; der größte Teil des bei MF Global liegenden Superfund-Kapitals wäre somit noch vorhanden. Superfund-Fondsvermögen ist aufgrund zwingender gesetzlicher Bestimmungen bei US-Brokern als gesondert zu verwahrendes Sondervermögen zu halten. Ein etwaiges Fehlen von Fondsgeldern wäre somit ausschließlich auf illegale Handlungen von MF Global zurückzuführen.
 
Nochmals die Frage zur Schadenshöhe für Superfund?
Baha: Der Worst Case wären - je nach Fonds - zwischen 4,6 und 9,8 Prozent Verlust bezogen auf den jeweiligen Fondswert. Das wäre der Schaden im unwahrscheinlichen Fall, dass das gesamte bei MF Global platzierte Kapital weg ist.
 
Wie wirkt sich der Fall auf die Liquidität Ihrer Fonds aus?
Baha: Der Handel der Superfund-Fonds läuft normal und unverändert weiter, da alle Positionen zu den anderen drei Brokern übertragen wurden. Die Berechnung der Indizes der jeweiligen Fonds kann jedoch erst erfolgen, wenn exakte Angaben der Behörden über allfällige Fehlbeträge vorliegen.
 
Wurden die Kunden informiert?
Baha: Natürlich, wir haben uns sofort daran gemacht, jeden Kunden individuell über den Sachverhalt zu informieren. Wir werden alles daran setzen, die Interessen unserer Kunden zu wahren und bemühen uns um eine umfassende Aufklärung unserer Kunden, Partner und Behörden.
 
Was heißt das?
Baha: Man wird sich im Betrugsfall auch ansehen müssen, ob die verantwortlichen Personen bei MF Global nicht persönlich haftbar gemacht werden können, und ob hier nicht auch die US-Aufsichtsbehörden ihre Pflicht versäumt haben.
 
Wird der Fall weitere Konsequenzen für Superfund haben?
Baha: Wir beschäftigen uns schon seit Jahren intensiv mit allen denkbaren Risiken abseits der Marktschwankungen. Wir überprüfen laufend, ob das Counterparty-Risiko der Banken und Brokerhäuser, mit denen wir arbeiten, zum Problem werden könnten, verfolgen täglich die CDS-Kurse (Credit Default Swaps = Kreditausfallsversicherungen, Anm. d. Red.) zu den Staatsanleihen, in denen ja der Großteil des uns anvertrauten Kapitals steckt. Die Diversifikation über mehrere Brokerhäuser war ebenfalls von Anfang an Teil unserer Sicherheitsstrategie für Superfund. Ein letztes Restrisiko bleibt offensichtlich immer. Ich werde aber weiter daran arbeiten, dieses Risiko auf ein absolutes Minimum zu reduzieren – nicht zuletzt deshalb, weil ja auch mein privates Vermögen in Superfund-Produkten investiert ist.
 
Wir danken für das Gespräch.

Quelle:FONDS professionell

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