Am 27. Mai 1968 nahm die Kreissparkasse Tübingen in ihrer Filiale im Zentrum der Stadt den ersten Geldautomaten Deutschlands in Betrieb – ein hochexklusiver Service: Nur 1.000 eigens registrierten und mit Lochkarten ausgestatteten Kunden wurde der Zugang zu dem mit einer dicken Metalltür gesicherten "Geldausgabe"-Schacht in der Außenwand der Bank gewährt, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Fünfzig Jahre später ist die Maschine aus dem Alltag von Millionen Verbrauchern nicht mehr wegzudenken. Mehr als 60.000 Geldautomaten stehen in der Republik, die Bankkunden rund um die Uhr mit Bargeld versorgen.

Die Idee für den Geldautomaten kam ihrem Erfinder – dem Schotten John Shepard-Barron – im Frühjahr 1965 in der Badewanne, wie er dem britischen Fernsehsender BBC im Jahr 2007 verriet. An dem Tag sei ihm das Bargeld ausgegangen, weil er wenige Minuten zu spät an der Bankfiliale ankommen war und vor verschlossenen Türen stand. Shepherd-Barron, Manager eines Unternehmens, das unter anderem Banknoten druckte, kam ins Grübeln: Warum gab es eigentlich Automaten, aus denen man Schokoriegel ziehen kann, aber kein Gerät, das Bargeld ausspuckt? Kurzerhand entwickelte er eine Maschine, die selbsttätig Schecks prüfen und entwerten konnte – und im Gegenzug dafür Bargeld herausgab.

Die nützlichste Innovation seit Jahrzehnten
Im Grunde sei die Erfindung "die einzige nützliche Innovation", die die Finanzbranche über Jahrzehnte zustande gebracht habe, sagte der ehemalige Chef der US-Notenbank Fed Paul Volcker im Jahr 2009 über den Geldautomaten. Da hatten Banken gerade mit hochspekulativen Immobiliengeschäften die größte Wirtschafts- und Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg ausgelöst. Nachdem die Banken über Jahrzehnte hinweg jedes Jahr mehrere Tausend neue Geräte aufstellten, ist ihre Zahl mittlerweile leicht rückläufig. Die Geldinstitute bauen sie vor allem deshalb zunehmend ab, weil es nicht gerade billig ist, die Automaten zu betreiben. Zudem setzt sich das bargeldlose Bezahlen immer stärker durch. (fp)