Lutz Diederichs dürfte dieser Tage nicht viel Schlaf bekommen. Der Deutschland-Chef von BNP Paribas soll die Erträge der Bank in Deutschland von 1,65 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf zwei Milliarden Euro im laufenden steigern, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). So lautet die Anweisung aus der Pariser Zentrale. "Das wären rund fünf Prozent der europäischen Erträge von BNP Paribas. Das ist nennenswert", so Diederichs gegenüber der FAZ. Deutschland soll für das französische Institut offenbar zum wichtigsten Wachstumsmarkt in Europa werden. "Wir können nicht in Europa relevant sein, ohne in Deutschland relevant zu sein", so Diederichs.

In den kommenden Jahren will BNP Paribas in Deutschland kräftig investieren. Im vergangenen Jahr brachte das Geldhaus bereits ein Großprojekt in trockene Tücher: Drei Jahre nach dem Kauf der Münchner DAB Bank war die Neuaufstellung der beiden deutschen Marken von BNP Paribas, Consorsbank und DAB, abgeschlossen. In der kommenden Zeit will das Geldhaus unter anderem über Unternehmenskunden Wachstum generieren. "Jedes deutsche Unternehmen, das international expandieren will, ist ein potenzieller Kunde", erklärte Diederichs. Folgerichtig hat er die frühere Umsatz-Untergrenze von 250 Millionen Euro aufgehoben, die Firmen überschreiten mussten, um als BNP-Paribas-Kunde infrage zu kommen.

Digital-Plattform im Bau
Im Privatkundenbereich will Diederichs die Consorsbank stärken. Die Direktbank ist bislang auf das Wertpapiergeschäft fokussiert. Ihr Angebot soll mit anderen Geschäftseinheiten vernetzt werden, etwa mit Ratenkrediten oder Versicherungen. Letztlich soll eine komplett digitale Privatkunden-Plattform entstehen, die auch kleinere Firmenkunden nutzen können.

Als Vorbild dient hier offenbar die ING Diba, die bereits eine Kreditplattform für kleine und mittlere Unternehmen unterhält. "Wir prüfen ein digitales Angebot für kleinere Firmenkunden", sagte Diederichs in der FAZ, ohne ins Detail zu gehen.

Vermögensverwaltung als Wachstumshebel
Auch das Wealth Management soll stärker zum Gesamtwachstum beitragen. "Hier haben wir mit rund 40 Mitarbeitern noch eine sehr kleine Mannschaft", so der Deutschland-Chef. Bis zum Jahr 2020 sollen die Zahl der Mitarbeiter und die verwalteten Kundengelder um das Fünffache steigen. Bislang verwaltet BNP Paribas in dieser Geschäftseinheit Vermögen im niedrigen einstelligen Milliardenbereich. Vermögende Privatkunden sollen in Zukunft auch die acht Firmenkunden-Standorte der Bank in Deutschland nutzen können.

Bedeckt hält sich Diederichs zu Übernahmen. Immer wieder, so die FAZ, werde die BNP Paribas als Interessentin für die Commerzbank oder an zum Verkauf stehenden Fondsgesellschaften wie etwa Universal genannt. "Übernahmen sind in unserem Wachstumsplan nicht enthalten, aber nicht ausgeschlossen", sagt Diederichs sibyllinisch. (fp)