Das staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren gegen Carsten Kengeter, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse, könnte gegen Zahlung einer Geldbuße in Millionenhöhe eingestellt werden. Gegen den Börsenchef wird wegen Insiderhandels ermittelt. Er soll Insiderinformationen genutzt haben, um im großen Stil Aktien des eigenen Unternehmens zu kaufen. Nun könnte er Medienberichten zufolge ohne Auflagen aus dem Verfahren herauskommen.

Die Deutsche Börse müsste bei Einstellung des Verfahrens zwei Strafen in Höhe von 5,5 sowie fünf Millionen Euro zahlen. Die höhere der beiden Bußen würde wohl wegen eines möglichen Verstoßes gegen gesetzliche Veröffentlichungspflichten im Zusammenhang mit der Bekanntgabe der schlussendlich geplatzten Fusion mit der Londoner Börse fällig. Die Deutsche Börse will das Anhörungsschreiben der Staatsanwaltschaft prüfen. Akzeptiert sie die Vereinbarung, vermeidet sie einen Rechtsstreit, der sich über Jahre hinziehen dürfte.

Ungewisse Job-Perspektive
Kurz bevor die Fusionspläne von Deutscher Börse und London Stock Exchange (LSE) bekannt gegeben wurden, hatte Kengeter ein millionenschweres Aktienpaket gekauft. Die Deutsche Börse gibt an, bei dem Kauf habe es sich um die Umsetzung eines neuen Vergütungsprogramms gehandelt. Das Programm sehe Eigeninvestments des Vorstands vor, Aufsichtsrat und Compliance-Abteilung hätten das Geschäft abgesegnet.

Das Unternehmen hält die Vorwürfe gegen seinen Vorstandschef weiterhin für unbegründet. Das muss nicht unbedingt heißen, dass Kengeter eine Zukunft bei der Deutschen Börse hat. Sein Drei-Jahres-Vertrag läuft am 31. März 2018 aus, der Aufsichtsrat hat ihn bisher nicht verlängert. Ob der Börsenchef auf seinem Posten bleiben kann, dürfte nicht zuletzt vom Ausgang des Verfahrens abhängen. (fp)