Die Staatsanwaltschaft hat Carsten Kengeter, den Chef der Deutschen Börse, ins Visier genommen. Das berichtet das "Handelsblatt". Nach Informationen der Zeitung fand am Mittwoch eine Durchsuchung im Hauptquartier des Konzerns in Eschborn und in Kengeters Privatwohnung statt. Der Verdacht: Kengeter soll Insiderinformationen genutzt haben, um im großen Stil Aktien des eigenen Unternehmens zu kaufen. 

Konkret geht es um Aktienkäufe im Rahmen eines Vorstandsvergütungsprogramms im Dezember 2015 – gut zwei Monate bevor bekannt wurde, dass die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) über eine Fusion verhandeln. "Das Programm sieht ein Eigeninvestment des Vorstands in das Unternehmen vor", heißt es in einer Ad-hoc-Mitteilung des Konzerns. Das Unternehmen und Kengeter kooperierten laut "Handelsblatt" in vollem Umfang mit der Staatsanwaltschaft.

"Als würde gegen einen Bankchef wegen Bankraubs ermittelt"
In der Branche sorgt die melung für Kopfschütteln. Ermittlungen gegen einen Börsenchef wegen Insiderhandels seien so, als würde gegen einen Bankchef wegen Bankraubs ermittelt. So zitiert "Die Welt" Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Schließlich gehöre es zu den ureigensten Aufgaben eines Börsenbetreibers, für einen geregelten Handel zu sorgen. Für die Deutsche Börse sei der Vorgang ein "PR-Supergau".

Das Vorhaben, gemeinsam mit dem Marktbetreiber in London eine wettbewerbsfähige Megabörse zu schaffen, steht schon geraumer Zeit unter keinem guten Stern. Das Brexit-Votum vom vergangenen Jahr nährte Zweifel daran, ob Kengeters Idee, die Zentrale der neuen europäischen "Superbörse" nach London zu verlagern, noch zeitgemäß sei. Die Insidervorwürfe gegen den Börsenchef könnten das Projekt nun vollends kippen. (fp/ps)