Die Europäische Kommission hat in einem Schreiben britische Fondsgesellschaften eindringlich vor den Folgen eines ungeordneten Austritts des Königreichs aus der EU gewarnt. Die Anbieter sollten die "rechtlichen Nachteile", die ihnen erwachsen könnten, rasch prüfen und sich entsprechend wappnen. Es bestünden nach wie vor "beträchtliche Unsicherheiten", ob die Brexit-Verhandlungen noch mit einer Einigung abgeschlossen werden könnten. Dies berichtet der Branchendienst "Ignites Europe", der zur "Financial Times" gehört.

Diese Warnung ist eine der deutlichsten, die die EU-Kommission bislang ausgesprochen hat. Die Brüsseler erinnern in dem Schreiben, dass mit dem Austritt Großbritanniens im März 2019 die Fondsmanager der Insel ihren Status als Ucits-Anbieter verlieren. Wenn keine vertragliche Regelung getroffen wird, sind sie damit vom EU-Binnenmarkt ausgeschlossen. Ihre Produkte dürfen sie nicht mehr an Privatanleger auf dem Kontinent verkaufen, diese gelten fortan als alternative Investmentfonds aus einem Nicht-EU-Staat.

Vertriebsbüros verlieren Status
Zwar dürfen britische Asset Manager weiterhin im Binnenmarkt aktiv sein, wenn sie in der EU rechtlich eigenständige Tochtergesellschaften aufgebaut haben. Bloße Filialen oder Vertriebsbüros, die rechtlich zur Mutter auf der Insel gehören, würden hingegen ihren Status als EU-Anbieter verlieren, macht die Kommission in ihrem Schreiben deutlich.

Viele Häuser von der Insel haben bereits Niederlassungen in Luxemburg oder Dublin aufgebaut und dort viele ihrer Vehikel zugelassen. Manche Unternehmen, wie etwa das Traditionshaus M&G, eröffnen derzeit Luxemburg-Ableger, um ihre Portfolios auch nach einem harten Brexit weiterhin in der EU vertreiben zu dürfen.

Briefkasten-Firmen vor dem Aus
Bei solchen Tochtergesellschaften nimmt Brüssel aber eine strikte Haltung ein, was das Thema der sogenannten "Delegation" angeht. Demnach darf etwa ein in Luxemburg aufgelegter Fonds auch von einem anderen Land aus verwaltet werden. So sitzen Portfoliomanager meist in London oder Frankfurt und nicht im Großherzogtum, wo die Fonds beheimatet sind. Diese Praxis will die Kommission im Falle eines harten Brexit nicht mehr dulden und sogenannte "Briefkasten-Fondshäuser" schließen. Unter Umständen müssen die Anbieter also Personal bis hin zu Portfoliomanagern von der Insel auf den Kontinent verlagern.

Es sei nun an der Zeit, dass die Fondsgesellschaften ihre Kunden über die Folgen eines ungeordneten Brexit informieren. Aber auch an Asset Manager in der EU schickte die Kommission eine Mahnung. So sollten etwa Dachfondsmanager, die in britische Portfolios investieren, ebenfalls ihre Optionen prüfen und Vorkehrungen treffen. (ert)