Im Jahr neun nach der Finanzkrise kann die Commerzbank vermelden, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten unter dem Strich mehr als 580.000 neue Kunden gewonnen hat. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) erklärt Michael Mandel, Privatkundenvorstand der Commerzbank, die Gründe für diese Entwicklung – wobei nicht zuletzt die Gebührenmodelle der Bank für ihre Wertpapierdepots und die nun praktizierte Art der Beratung aus seiner Sicht eine maßgebliche Rolle spielen.

"Es gibt aus meiner Sicht drei Gründe, warum die Menschen zur Commerzbank wechseln", so Mandel gegenüber der FAS. Viele seien enttäuscht von ihrer alten Bank, weil man dort die Gebühren erhöht oder die Heimatfiliale geschlossen hat. Andere hätten ein konkretes Anliegen – etwa eine Baufinanzierung – und seien daher zu dem Institut gekommen. Und wieder andere seien auf eine Werbekampagne aufmerksam geworden.

"Premium-Fonds-Depot" kommt gut an
Der für Kunden offenbar neuralgische Punkt der Gebühren und Kosten werde vor allem bei der Wertpapierberatung zunehmend beachtet. Zur Erinnerung: Anfang 2017 startete die Commerzbank großflächig ihr neues Modell namens "Premium-Fonds-Depot", bei dem keine Ausgabeaufschläge für Fonds mehr anfallen. Dafür zahlen Kunden eine Pauschalgebühr von 0,9 Prozent im Jahr oder mindestens 90 Euro im Quartal. Mit der Flat-Gebühr entfallen neben dem Agio auch die gesonderten Kosten für Depotführung und Transaktionen. "Wir halten einen Ausgabeaufschlag für nicht mehr zeitgemäß", hatte Torsten Daenert, Leiter Produktmanagement Wertpapier des Frankfurter Instituts, Mitte März im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE den Schritt erklärt.

Eine erste Zwischenbilanz fällt erfreulich aus. Dank des neuen Flat-Fee-Ansatzes hätten laut Mandel die Berater keinen Anreiz mehr, ihren Kunden irgendeinen "Fonds anzudrehen", da sie keine Provisionen mehr erhalten. Das spreche sich herum. Weiter positiv: "Kunden mit so einem Depot können dann so viel oder so wenig handeln, wie sie wollen. Es ist nicht in unserem Interesse, Kunden zu möglichst vielen Transaktionen zu verführen." Und noch eine klare Ansage machzt Mandel: Die Bank schließt Strafzinsen für Privatkunden auch in Zukunft kategorisch aus.

Kunden wollen Digitalisierung und persönliche Beratung
In dem Gespräch beantwortet Mandel auch die häufig gestellte Frage, wie eine Bank gleichzeitig der Digitalisierung das Wort reden und das Filialnetz ausbauen kann. "Alle reden davon, dass die Zukunft digital sei und dass das Smartphone bald die Bankfiliale ersetzen werde. Ich glaube das nicht", so der Commerzbanker in der Zeitung.

Er mache eine andere Erfahrung. Danach gehöre für die meisten Kunden beides zusammen: "Auf der einen Seite freuen sie sich, wenn sie über ihre App mal eben in der U-Bahn ihren Kontostand prüfen können. Auf der anderen Seite wollen die meisten Menschen bei wichtigen finanziellen Entscheidungen immer noch dem Berater von Angesicht zu Angesicht gegenübersitzen."

Wegen dieser Doppelstrategie sei es auch nur eine Frage der Zeit, bis der bei der Direkt-Tochter Comdirect im Mai gestartete Robo-Berater "Cominvest" auch für Kunden der Mutter Commerzbank freigeschaltet werde. (jb)