Der erste Robo-Berater aus Deutschland steht vor der Geschäftsaufgabe: Cashboard hat beim Amtsgericht Charlottenburg einen Antrag auf Insolvenz eingereicht, wie aus dem offiziellen Register hervorgeht. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Torsten Martini bestellt. Dieser hat damit nun das Sagen beim Online-Vermögensmanager, der 2014 von den Brüdern Stephan und Robert Henker gegründet wurde und seine Portfolios offiziell als Haftungsdachnehmer der HPM Hanseatischen Portfoliomanagement anbot. Diese verfügt ihrerseits über eine Erlaubnis gemäß Paragraf 32 Kreditwesengesetz.

Die Gründe für das Aus sind nicht bekannt. Auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE via Email antworterte das Berliner Fintech am Freitagvormittag nicht. Auch die telefonische Ursachenforschung brachte die Redaktion bisher nicht weiter. Dem Vernehmen nach stand es um das Berliner Start-up zuletzt eher schlecht. Cashboard tauchte auch nicht in einer Aufstellung von digitalen Vermögensdienstleistern auf, die das Branchenportal "Extra-Magazin" Anfang März nebst dem betreuten Vermögen veröffentlichte. Anleger müssen sich jedenfalls keine Sorgen machen.

Dabei hatte Cashboard im November 2016 noch eine Finanzspritze in Höhe von drei Millionen Euro von Kapitalgebern erhalten. Angeführt wurde die sogenannte "Series A"-Finanzierungsrunde von Digital Space Ventures, einem 50 Millionen US-Dollar schweren Fonds, der in Fintechs investiert. An der Geldspritze beteiligten sich außerdem Redalpine Capital, Earlybird und 500 Startups, die bereits zuvor in das Berliner Unternehmen investiert hatten. Der Medienkonzern ProSiebenSat.1, ein Geldgeber der ersten Stunde, blieb bei der jüngsten Kapitalmaßnahme indes außen vor (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Großes Produktangebot
Anders als die meisten anderen Anbieter einer digitalen, auf Algorithmen basierenden Geldanlage setzte das Unternehmen nicht nur auf börsengehandelte Indexfonds, die bei der Ebase als Depotbank lagerten, sondern empfahl seinen Kunden ein breites Spektrum an Anlageprodukten. So konnten sich Anleger an Crowdfunding-Projekten beteiligen. Zudem warb das Unternehmen lange Zeit mit einer Mindestverzinsung von zwei Prozent pro Jahr. Cashboard selbst finanzierte sich im Wesentlichen über eine erfolgsabhängige Gebühr.

Die Performance der Cashboard-Musterportfolios war gar nicht mal schlecht. Im Zwölf-Monats-Zeitraum von Anfang Mai 2016 bis Ende April 2017 erzielte der Robo beim Echtgeld-Test von "Brokervergleich.de" eine Wertentwicklung von neun Prozent. Mitbewerber wie Scalable (+9,8%) oder Quirion (+9,6%) machten ihre Sache kaum besser. Allerdings erzielte Spitzenreiter Whitebox ein Performance von 13,3 Prozent. (jb)