Die Dekabank hat eine digitale Geldanlage-Plattform gestartet, die ab dem kommenden Jahr auch den Sparkassen als White-Label-Lösung zur Verfügung stehen soll. "Bevestor" sammelt schon seit dem ersten Quartal dieses Jahres Geld ein – bislang können allerdings nur Mitarbeiter der Sparkassen und der Deka investieren.

"Bevestor selbst strebt keine aktive Kundeansprache und -gewinnung an, sondern sieht sich als Lösungsanbieter für die Sparkassen und deren Kunden", teilte Olaf Heinrich, Leiter Digitales Multikanalmanagement der Dekabank, auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE mit.

Flächendeckender Einsatz ab dem zweiten Halbjahr 2018 geplant
Im ersten Quartal kommenden Jahres ist eine Pilotphase mit ausgewählten Sparkassen geplant. "Eine flächendeckende Bereitstellung soll dann ab dem dritten Quartal 2018 erfolgen", so Heinrich. Bevestor sei zunächst als reine Online-Lösung gedacht. Ein Ausbau zu einer "Hybrid-Lösung", also einer Kombination aus Online- und Offline-Betreuung, sei auf Wunsch der Sparkassen möglich.

"Die Beratung in den Sparkassen vor Ort, unterstützt von einem leistungsstarken digitalen Angebot, bleibt der wichtigste Vertriebskanal", betont er Deka-Manager. Die Sparkassen erhalten in dem Modell nicht – wie bisher im Fondsgeschäft üblich – eine Bestandsprovision, sondern einen Teil der jährlichen Vergütung.

Eine "echte" Anlageberatung ist in Arbeit
Für Bevestor hat die Deka drei breit diversifizierte Dachfonds namens Deka-Relax 30, 50 und 70 aufgelegt, aus denen die Anleger je nach Risikoneigung wählen können. Die Zahl im Fondsnamen steht für die angestrebte Aktienquote. Die laufenden Kosten der drei Portfolios liegen zwischen 1,23 und 1,29 Prozent. Für Depot, Transaktionen und den Service zahlen Kunden eine jährliche All-in-Gebühr von 0,9 Prozent der durchschnittlichen Anlagesumme.

Derzeit tritt Bevestor lediglich als Vermittler auf, so wie viele andere digitale Geldanlageplattformen auch. "Die zweite Produktlösung, geplanter Start im vierten Quartal 2017, wird eine Anlageberatung berücksichtigen", so Heinrich.

"Anlageschutz" als Alleinstellungsmerkmal
Auf Wunsch können Kunden ohne Zusatzkosten einen "Anlageschutz" aktivieren. "Dazu wird der Wert Deines Fonds-Portfolios täglich beobachtet und im Falle einer negativen Entwicklung in eine sicherheitsorientiertere Anlage umgeschichtet", heißt es zur Erläuterung auf der Bevestor-Website, auf der die Kunden geduzt werden. "Dadurch profitierst Du zwar nicht mehr in vollem Umfang von den Entwicklungen am Markt, bist aber zunächst vor weiteren Verlusten geschützt."

Schaltet ein Anleger diesen Mechanismus ein, vermittelt Bevestor ihm de facto nicht mehr nur einen Dachfonds, sondern eine Finanzportfolioverwaltung, die die Dekabank in Zusammenarbeit mit Deka Investment erbringt. "Der Kunde kann den Anlageschutz im Abschlussprozess sowie jederzeit im Kundenportal aktivieren oder deaktivieren. Bei Deaktivierung ruht die Finanzportfolioverwaltung", erläutert Heinrich. Das Investment in aktiv verwaltete Zielfonds in Zusammenspiel mit dem Anlageschutz, also der individuellen Vermögensverwaltung, stelle derzeit ein Alleinstellungsmerkmal dar, betont Heinrich.

"Digitale Entwicklungsplattform"
Programmiert wurde der Deka-Robo von einem Tochterunternehmen: der im Juni 2016 gegründeten Bevestor GmbH, die eine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach Paragraf 34f Gewerbeordnung hat. Heinrich sieht die Gesellschaft als "digitale Entwicklungsplattform, deren Ziel es ist, schnell und agil neue innovative Lösungen im Wertpapiergeschäft zu entwickeln". Diese sollen erprobt und zur Marktreife geführt und dann "zeitnah den Sparkassen und deren Kunden zur Verfügung gestellt werden".

Im Bevestor-Team arbeiten nicht nur bisherige Deka-Mitarbeiter, etwa aus dem Fonds- und dem Digitalisierungsmanagement, sondern auch extern angeworbene Fachleute mit Fintech- und Start-up-Erfahrung. "Mit Bevestor wurde ein Kreativ-Pool ins Leben gerufen, mit dem ganz neue Wege beschritten und der ständig weiterentwickelt werden soll", sagt Heinrich. Darum sei auch eine neue Firma gegründet worden, statt eine Abteilung innerhalb des Konzerns mit der Entwicklung zu beauftragen. "Ein junges Unternehmen mit einem völlig neuen Auftritt und einem kleinen Team kann viel freier agieren als ein Unternehmen mit einem etablierten Geschäftsmodell", meint Heinrich. (bm)