Seit März dieses Jahres bietet Legal & General Investment Management (LGIM) nicht mehr nur traditionelle Fonds an, sondern auch ETFs: Großbritanniens größter Asset Manager – das Haus verwaltete Ende 2017 umgerechnet rund 1,1 Billionen Euro – übernahm dafür die Plattform Canvas des Anbieters ETF Securities, inklusive des Teams um Canvas-Chef Howie Li (FONDS professionell ONLINE berichtete). Li leitet nun die ETF-Sparte von LGIM, die unter der Marke L&G ETF europaweit expandieren soll. FONDS professionell ONLINE traf Li bei dessen jüngsten Deutschland-Besuch zum Interview.


Herr Li, Sie sind im März mit Ihrem Team von ETF Securities zu LGIM gewechselt. Was sind Ihre Pläne?

Howie Li: Ja, unser ETF-Team – bestehend aus zehn Investmentprofis – hat sich im Rahmen der Akquisition LGIM angeschlossen. Die Akquisition umfasst eine Reihe von UCITS-ETFs samt Infrastruktur wie Portfoliomanagement und Operations, ETF-Entwicklung und -Verwaltung, Produktstrategien und Compliance. Die Mitarbeiter und die Einheiten, die für die ETF-Plattform tätig sind, sind die gleichen wie früher. Nur der Eigentümer ist ein anderer – und viel kapitalstärker. Unser Ziel ist es, unsere Produktpalette sowie unseren Service deutlich auszubauen. Wir wollen von einem spezialisierten ETF-Provider zu einem breit aufgestellten Full-Service-ETF-Anbieter werden. Damit unterstützen wir LGIM dabei, den europäischen Kundenstamm im Wholesale-Segment zu stärken und weiter auszubauen.

Bislang ist Ihr Haus vor allem für Themen- und Rohstoff-ETFs bekannt. Wenn Sie in andere Märkte vordringen, konkurrieren Sie plötzlich mit den großen, etablierten ETF-Anbietern. Wie soll das gelingen?

Li: LGIM ist Großbritanniens größter Asset-Manager, das ist sicherlich hilfreich. Neben seiner sonstigen Investmentexpertise ist LGIM ein etablierter Anbieter von herkömmlichen, nicht börsengehandelten Indexfonds in Europa. Die Expertise, regelbasierte Indizes abzubilden und Geld in diskretionären Strategien zu verwalten, ist also bereits vorhanden. Und nun ist das ETF-Knowhow hinzugekommen. Ich bin überzeugt davon, dass es uns als Teil von LGIM gelingen wird, das Geld für unsere Kunden noch effizienter zu verwalten und als glaubwürdiger Wettbewerber auf dem ETF-Markt aufzutreten. An der langfristigen Strategie des Geschäfts unter der Marke L&G ETF arbeiten wir bereits seit einiger Zeit, und im Laufe der nächsten 18 Monate werden wir sie umsetzen. Unser Ziel ist es, ETFs zu entwickeln, die ein breites Publikum leicht verstehen kann.

Was verspricht sich LGIM von dem Zukauf – abgesehen von der ETF-Expertise?

Li: Zum einen möchte LGIM das Geschäft und die Kundenbeziehungen in Kontinentaleuropa stärken. Deutschland beispielsweise haben wir als einen Kernmarkt definiert. Außerdem will das Unternehmen seine Positionierung im Wholesale-Segment verbessern. LGIM war bislang für seine Expertise im institutionellen Geschäft bekannt. Die Sparte L&G ETF wird eine treibende Kraft dabei sein, die Betreuung von Wholesale- und Retail-Kunden zügig auszubauen.

Wäre diese Expansion nicht auch mit den herkömmlichen Fonds möglich gewesen?

Li: Durchaus. ETFs stellen jedoch eine Weiterentwicklung des traditionellen Investmentfonds-Modells dar. Anleger und Berater werden künftig eher auf ETFs setzen als auf normale Indexfonds. Denn sie bieten interessante Vorteile. Nur ein Beispiel: Wenn ein Investor einen gewöhnlichen Publikumsfonds kauft oder verkauft, weiß er immer erst ein paar Tage später, zu welchem Preis das Geschäft tatsächlich abgerechnet wurde. Beim ETF kennt er den Kurs sofort. LGIM ist nun gut aufgestellt, um Kunden zu bedienen, die mehr und mehr mit ETFs investieren möchten.

Wie läuft die Integration Ihres kleinen Teams in den großen LGIM-Konzern?

Li: Sehr gut. Die Übernahme wurde im November 2017 bekanntgegeben und schon im März dieses Jahres vollzogen. Ein wichtiger Teil der Akquisition war es, sicherzustellen, dass das Tagesgeschäft wie gehabt weiterläuft und unser Kundenservice ununterbrochen aufrechterhalten wird. Zum Beispiel haben wir im Januar – inmitten der Transaktion – drei neue ETFs lanciert. Inzwischen arbeiten wir mit den Kollegen von LGIM zusammen, und wir haben schon viel voneinander lernen können. Wir werden von den Skaleneffekten profitieren, die man erwarten darf, wenn man zu Großbritanniens größtem Asset Manager gehört. Diese Vorteile werden wir an unsere Kunden weitergeben können.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)