Sonja Laud, Aktienchefin bei der Investmentgesellschaft Fidelity, ist eine der wenigen weiblichen Führungskräfte in der Finanzbranche. Als Jugendliche wollte sie Dressurreiterin werden, nun verwaltet sie 156 Milliarden Euro Anlegergeld. Von einer Frauenquote hält die 44-Jährige nichts: "Es gibt gerade für Führungspositionen meist viel mehr männliche Bewerber als weibliche", sagt sie im Interview mit dem "Handelsblatt". Wollte man auf jeden Fall mehr Frauen an die Spitze setzen, müsste man nach aktuellem Stand eine schlechtere Qualifikation in Kauf nehmen.

Laud selbst will keinesfalls als Quotenfrau gesehen werden. "Ich würde für mich als Aktienchefin sagen: Ich sitze hier, weil ich es kann", erklärte sie. "So sollte es auch anderswo sein. Ich möchte nicht mit Samthandschuhen angefasst werden." Das Merkmal "Frau" sollte ihrer Meinung nach nicht die wichtigste Rolle bei Personalentscheidungen spielen. Stattdessen fordert sie einen Kulturwandel in der Branche: "Wir müssen die Finanzbranche jungen Frauen schmackhafter machen, um eine bessere Balance zu schaffen."

Null Toleranz für sexuelle Belästigung
Vor dem Hintergrund der #MeToo-Debatte wünscht sich Laud einen konstruktiven Umgang zwischen Männern und Frauen und ein sicheres Umfeld für beide Geschlechter. "Wenn Männer die Zusammenarbeit mit Frauen aus Angst vor möglichen Vorwürfen meiden, läuft etwas falsch", sagt sie im Interview. "Mir kommt es auf die echten Opfer an. Ich frage mich: Werden wir denen mit einer so erhitzten Debatte, wie wir sie führen, gerecht?" Die wahren Opfer würden möglicherweise gar nicht mehr gehört. Für ihren Arbeitgeber fand Laud klare Worte: "Bei Fidelity gibt es eine Null-Toleranz-Politik." (fp)