Die europäische Finanzaufsicht ESMA hat die Gebührenpraxis diverser Ratingagenturen kritisiert. Bonitätswächter wie Standard & Poor's, Moody's oder Fitch würden ihre Preise respektive deren Zustandekommen nicht klar genug offenlegen, teilte die ESMA mit. Auch Handelsplätze für Derivate verwarnte die Behörde wegen unklarer Gebührenstrukturen.

"Die ESMA sieht erheblichen Bedarf für Verbesserungen bei der Gebührenpraxis von Ratingagenturen und Derivate-Börsen, gerade was die Transparenz und Offenlegung angeht", sagte ESMA-Chef Steven Maijoor. Oftmals sei unklar, warum die Anbieter mal höhere, mal geringere Preise für ihre Dienste verlangen. Die Aufseher konnten oftmals keinen plausiblen Zusammenhang zwischen den Gebühren, die die Agenturen für ein Rating verlangen, und den Kosten erkennen.

Rechnungspraxis weiter im Blick
Emittenten von Wertpapieren beauftragen die Ratinggesellschaften mit der Einschätzung ihrer Kreditwürdigkeit und bezahlen für das Erstellen der Bonitätsnote. Diese Praxis war nach der Finanzkrise in die Kritik geraten. Die Ratingagenturen hatten unter anderem auch Hypotheken-Papiere mit Spitzennoten versehen, die sich bei genauerem Hinsehen aber als weitgehend wertlos entpuppt hätten, so der Vorwurf.

S&P, Moody's und Fitch erklärten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, sie würden die Untersuchung der ESMA prüfen. Fitch verwies darauf, dass es seine Preisliste veröffentliche und Abweichungen davon stets erläutere. Die Aufseher wollen diesen Bereich in Zukunft genau beobachten. Kürzlich erst hatte die ESMA eine böse Schlappe erlitten, weil sie von zahlreichen unregulierten Handelsplattformen nicht genug Daten angeliefert bekam und die geplante Veröffentlichung daher verschieben musste. (ert)