Herr Stowasser, Franklin Templeton ist nun mehr als 25 Jahre in Deutschland aktiv. Wie hat sich der Fondsvertrieb verändert?

Peter Stowasser: Das Geschäft ist komplexer und schneller geworden. Selbst ein einzelner, unabhängiger Finanzberater verfügt heute über einen ganz anderen Stand der Technik als noch vor zehn Jahren. Und in noch einmal zehn Jahren nutzt er noch ganz andere Möglichkeiten. Über solche Entwicklungen machen wir uns auch die meisten Gedanken: Was passiert auf lange Sicht durch den Einfluss von jungen, innovativen Finanzunternehmen und digitalen Vermögensverwaltern?

Glauben Sie, hinter diesen Themen, Fintech und Robo Advice, steckt mehr als nur ein vorübergehender Hype?

Stowasser: Im Moment sehe ich mehr Hype, als dass sich tatsächlich etwas bewegt. Letztlich aber ist die Euphorie berechtigt. Denn in zehn oder 15 Jahren werden solche Modelle Realität sein. Dann sollten wir als Asset Manager Erfahrungen gesammelt haben und uns sollte klar geworden sein, wie wir solche Techniken kompatibel zu den jeweiligen Absatzkanälen nutzen. Das wäre die Zauberformel für unsere Zukunft.

Haben Sie die Formel schon gefunden?

Stowasser: Leider noch nicht, wir suchen aber danach. Wir schauen uns derzeit die Offerten verschiedener Fintechs aus den USA und Europa an. Wir überlegen, bis zu welchem Maß wir diese für unsere Vertriebskanäle nutzbar machen können. Andererseits fragen wir uns, inwieweit wir diese Angebote einfach nur kennen müssen, ohne dass wir sie auch zwingend nutzen. Wir wollen auf jeden Fall keinen Vertriebsweg aufbauen, der mit unseren bisherigen Kanälen und besonders den unabhängigen Beratern konkurriert.


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In diesem Jahr sind viele neue Regeln in Kraft getreten. Dienen sie in der Praxis den Anlegern?

Stowasser: Themen wie Qualifizierung und Transparenz müssen gespielt werden. Das hat meiner Meinung nach eine hohe Priorität, denn wir arbeiten mit dem Geld fremder Leute. Die Art und Weise der Regulierung möchte ich aber hinterfragen. Denn ob die neuen Regeln ihren Sinn erfüllen, die schwarzen Schafe vom Markt zu verbannen, wage ich zu bezweifeln. Ich bin der Meinung, dass wir überreguliert sind.

Im hiesigen Markt sind Mischfonds ein großes Thema. Andere Akteure konnten hier bereits viel Geld einsammeln. Wie positionieren Sie sich in diesem Feld?

Stowasser: Auch wir bieten für den deutschen Markt bereits seit geraumer Zeit Multi-Asset-Produkte. Am Ende geht es um die Qualität der Portfolios. Wenn das Produkt das macht, was es verspricht, wird es sich langfristig durchsetzen. Was Kunden nicht mehr wollen, sind extreme Überraschungen. Der eine oder andere Prozentpunkt mehr oder weniger Rendite ist für Anleger nicht von so großer Bedeutung wie die Frage, ob sie sich auf das Produkt verlassen können. Im Multi-Asset-Bereich haben sich tatsächlich viele Akteure etabliert. Aber lassen Sie uns mal zehn Jahre abwarten. Dann sehen wir, wer davon noch existiert.

Welche Ziele verfolgen Sie für die nächsten Jahre im deutschen Markt?

Stowasser: Die freien Vermittler waren unser Basisgeschäft. Von dieser Gruppe ausgehend haben wir uns weitere Vertriebskanäle erschlossen. Dennoch wollen wir auch künftig das Geschäft mit den unabhängigen Beratern vorantreiben. Dabei wollen wir stärker in Dialog mit unseren Kunden treten. Wir sind der größte ausländische Fondsanbieter im aktiven Retail-Markt in Deutschland. Das Ziel ist, unseren Marktanteil auszubauen und uns an die heimischen Anbieter heranzupirschen.

Vielen Dank für das Gespräch.(ert)