Das Bankgeschäft ruht vor allem auf einer starken Säule: den Zinserträgen. Doch diese schrumpften in den vergangenen Jahren eklatant. Die anhaltende Nullzinspolitik der Notenbanken bringt die Geldhäuser in Bedrängnis. Daher werden die sonstigen Erträge an Bedeutung gewinnen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung Investors Marketing unter Bankmanagern.

Demnach sollen Erträge aus Nebengeschäften wie der Immobilienvermittlung, dem Vertrieb von Gas und Strom oder der Bargeldlogistik bis zum Jahr 2025 rund zehn Prozent der Gesamteinnahmen ausmachen. "Für die Realisierung dieses Ziels gibt es mittlerweile interessante Ansätze, allerdings ist noch viel zusätzliche Kreativität gefragt", sagt Oliver Mihm, Vorstandschef der auf die Finanzbranche spezialisierten Beratung.

"Sonstiges" gleicht sinkende Zinseinnahmen aus
Derzeit spielt der Posten "sonstige Erträge" bei den meisten Geldhäusern nur eine untergeordnete Rolle. Im Geschäftsjahr 2016 machten sie der Bundesbank zufolge nur drei Prozent der gesamten Erträge aus. Davon komme nur ein kleiner Teil aus Kundengeschäft, da etwa auch positive Effekte aus Pensionsverpflichtungen und Rechtsstreits hier verbucht würden, heißt es von Investors Marketing.

Die von der Beratung befragten Führungskräfte erwarten, dass der Anteil der sonstigen Erträge bis 2025 die sinkenden Zinseinnahmen ausgleichen wird. Der Zinsüberschuss wird nach Meinung der Entscheider von 71 Prozent auf 54 Prozent zurückgehen. Provisionsüberschuss und Handelsergebnis sollen dagegen zusammen um zehn Prozentpunkte ansteigen, so das Ergebnis der Umfrage.

Mit Strom und Gas Kohle machen
Tatsächlich würden die Institute einiges an Kreativität entfalten, um alternative Einnahmequellen zu erschließen. "Gerade Regionalbanken kann es gelingen, intensive Beziehungen zu den Kunden aufzubauen, die die Institute zum präferierten Finanzpartner in der jeweiligen Region machen", erläutert Mihm. "Mit einem erweiterten Dienstleistungsspektrum lassen sich dann zusätzliche Erträge generieren."


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Recht naheliegend ist noch das Angebot an Hauskäufer, die Immobilienverwaltung zu übernehmen. Ein weiterer Ansatz sei etwa die Vermittlung von Strom- und Gasverträgen, erläutert Mihm. Über die Abbuchungen auf den Konten können die Geldhäuser erkennen, ob ihre Kunden mehr für Strom und Gas zahlen als die anderen Bankkunden. Die Institute könnten daraufhin gezielt Angebote unterbreiten. So biete etwa die Hypovereinsbank mit "Money Map" einen Service, der dem Kunden "einige hundert Euro" an Einsparungen pro Jahr bringen soll, so die Eigendarstellung. Auch einige Volksbanken und Sparda-Banken bieten ähnliche Services, berichtet Mihm.

Bislang stecken solche Ideen aber oft noch in der Anfangsphsase. "Falls die Prognosen für 2025 nicht reinen Wunsch- oder Appellcharakter haben sollen, müssen die Projekte allerdings noch konsequenter über die gesamte Wertschöpfungskette des Unternehmens umgesetzt werden", sagt der Investors-Marketing-Chef. (ert)