Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat im Januar eine der größten Razzien veranstaltet, die es in Deutschland je gab, um Steuerbetrüger dingfest zu machen, die den Handel von Edelmetallen vorgetäuscht haben. Das berichtet das "Handelsblatt". Demnach arbeitet die Augsburger Staatsanwaltschaft schon seit dem Jahr 2012 am Projekt "Goldfinger". Bei der Razzia im Januar waren 800 Beamte im Einsatz, sie durchsuchten 200 Häuser und Geschäftsräume im gesamten Bundesgebiet sowie in der Schweiz und in Österreich.

Ausbeute des Ganzen: Sieben Festnahmen, unzählige Akten und gigantische Datenmengen.
Mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr sollen in der deutschen Staatskasse gefehlt haben, weil hochvermögende Bürger ein nicht ganz astreines Anlagemodell für sich nutzten, mit dem sie ihre Steuerlast dramatisch senkten, schreibt die Zeitung.

Die Zauberformel lautete "negativer Progressionsvorbehalt". Zwei Münchener Steueranwälte sollen das Modell im Jahr 2007 entwickelt haben, mit dessen Hilfe Topverdiener ihre Abgabenan den Fiskus auf null drücken konnten. 

Dankenswertes Doppelbesteuerungsabkommen
Ein Beispiel für die Funktionsweise der Methode: Ein mittelständischer Unternehmer verkaufte seine Firmenanteile mit einem zu versteuernden Gewinn von einer Million Euro. Darauf müsste er vereinfacht gerechnet den in der Bundesrepublik geltenden Spitzensatz von 45 Prozent zahlen, also 450.000 Euro.

Der Trick: Der Mann investierte aber noch vor Jahresende in Gold und tat dabei so, als sei er selbst professioneller Goldhändler. Er gründete ein Unternehmen in London, kaufte Gold für eine Million und brachte dies in sein sogenanntes Umlaufvermögen ein. Als sein Finanzamt nachschaute, wie hoch wohl der Steuersatz für ihn sein müsste, kam es auf den niedrigst möglichen Wert: Eine Million Einnahmen minus eine Million Ausgaben ergab Null. Trotz der faktisch hohen Einkünfte blieb der Unternehmer in diesem Jahr komplett steuerfrei, dank des Doppelbesteuerungsabkommens mit Großbritannien.

"Goldhandel, nur um den Steuersatz zu mindern, war legal – und jahrelang ungemein beliebt", schreibt das "Handelsblatt". Der britische Fiskus interessierte sich für die Geschäfte in der Regel nur dann, wenn der Goldhandel unter dem Strich echte Gewinne abwarf. Dieses Spiel ließ sich beliebig oft wiederholen.

Am falschen Ende gespart
Im nun aufgedeckten Augsburger Fall sparten die Beteiligten allerdings nicht nur bei den Steuern, sondern offenbar auch bei der personellen Austattung ihres Steuersparmodells. Ihre Struktur war de facto "zu dünn". Die Ermittler sprechen im Durchsuchungsbeschluss von leicht identifizierbaren "Strohpersonen" und "Briefkastenfirmen". Der operative Geschäftsbetrieb in London sei nur vorgetäuscht, die Strippen seien in München gezogen worden, von den zwei "Goldfinger"-Entwicklern. Nun sind nicht nur sie beschuldigt, sondern weitere Anwälte und insgesamt mehr als 100 Investoren. (fp)