Dem Robo-Berater Scalable Capital scheint ein weiterer Mega-Coup gelungen zu sein. Einem Bericht des Branchendienstes "Platow" zufolge knüpfen der Online-Vermögensverwalter und die ING-Diba engere Bande. Gerüchte, es handele es sich wie bei dem im Sommer abgeschlossenen Deal mit dem Asset-Management-Giganten Blackrock um mehr als eine geschäftliche Zusammenarbeit, nämlich um eine Kapitalbeteiligung der Direktbank an Scalable, verneinte Scalable-Vorstandschef Erik Podzuweit auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE. Eine eventuelle Kooperation wollte er auf Nachfrage nicht kommentieren – aber auch nicht kategorisch ausschließen.

Vonseiten der ING-Diba war keine definitive Aussage einzuholen. Mehr Klarheit dürfte der am 14. September stattfindende Presse-Roundtable bringen, bei dem unter anderem ING-Diba-Deutschland-Chef Nick Jue höchstpersönlich das neue Angebot im Privatkundengeschäft vorstellen soll, berichtet "Platow".

Kommt der Deal zustande, hätten die bislang eher zinsaffinen Kunden der Direktbank Zugriff auf die ETF-basierte Finanzportfolioverwaltung des Münchner Fintechs. Eine Kooperation hätte für beide Seiten großen Charme: Scalable, das bereits mehr als 300 Millionen Euro an Kundengeldern verwaltet, bekäme exklusiven Zugang zu rund acht Millionen ING-Diba-Klienten – ohne finanzielle Aufwendungen für Werbekampagnen, um neue Privatkunden auf sich aufmerksam zu machen. Dieser Vorteil ergibt sich bereits aus der Zusammenarbeit mit Siemens: Siemens Private Finance, eine Tochter des Technik-Konzerns, empfiehlt Mitarbeitern für die persönliche Geldanlage das Scalabe-Sortiment.

130 Milliarden Euro an Kundeneinlagen
Die Direktbank wiederum kann ihren bislang stark zinssensiblen Sparkunden Anlageangebote für die Verwendung ihrer Guthaben unterbreiten. ING-Diba ist unter anderem für seine Tages- und Festgeldkonten bekannt. In Summe betrugen die Kundeneinlagen Ende 2016 mehr als 130 Milliarden Euro. Bei den aktuellen Minizinsen, die Banken immer größere Schwierigkeiten bereiten, auch die im Vergleich zur Vergangenheit niedrigen Zinsen auf die Einlagen zu erwirtschaften, ist das eine große Belastung. Zumal sie selbst für das Parken von Kundengeldern bei der Europäischen Zentralbank eine "Strafgebühr" von 0,4 Prozent zahlen.

Einige Geldinstitute gehen daher dazu über, neben Firmenkunden auch von Privatkunden zumindest für höhere Guthaben Negativzinsen zu verlangen. Nicht grundsätzlich muss das zum Nachteil für das eigene Geschäft sein: Gelingt es ihnen, Sparkunden davon zu überzeugen, wenigstens einen Teil ihres Geldes in Fonds oder andere Wertpapiere zu transferieren, kann das zum beiderseitigen Vorteil sein. Die ABN-Amro-Direkttochter Moneyou hat mit dieser Strategie offenbar Erfolg – ebenso die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee.

Kein eigener Robo
Hinzu kommt: Die ING-Diba verfügt bislang nicht über einen eigenen Robo-Berater, sondern bietet lediglich den Abschluss eines Online-Wertpapierdepots an. Im Rahmen dessen können Kunden auf die drei vom Robo-Berater Easyfolio initiierten gemischten ETF-Portfolios zugreifen: Easyfolio 30, Easyfolio 50 und Easyfolio 70 – die Zahl im Namen gibt die Höhe der Aktienquote in Prozent an. (jb/ps)