Der Online-Makler Getsafe hat wie angekündigt sein Geschäftsmodell weitgehend geändert. Das Start-up, das vor einigen Jahren mit dem Angebot eines digitalen Versicherungsordners startete und diesen nebenbei auch weiterführt, ist nun nach eigenen Angaben in erster Linie ein "volldigitaler Multiline-Versicherer".

Als erste Police können Kunden eine Haftpflichtversicherung komplett digital abschließen. Auch andere Prozesse wie die Verwaltung der Police und die Meldung von Schäden läuft einzig über die App der in Heidelberg ansässigen Gesellschaft. Die Kosten für den Haftpflichtschutz liegen bei 3,50 Euro im Monat, die Police kann aber jederzeit etwa um einen Familien- oder Drohnenschutz erweitert werden.
 
Kooperation mit Munich Re
Getsafe setzt im Vergleich zu etablierten Versicherern zudem nicht nur auf rein digitale Prozesse, das Insurtech geht auch in aufsichtsrechtlicher Hinsicht neue Wege: Getsafe verfügt nicht über eine eigene Lizenz als Versicherungsgesellschaft – diese liefert die Munich Re. Im Rahmen einer Kooperation sichert der Rückversicherer die Policen von Getsafe ab.

Weiterhin begrenzt Getsafe nach eigenen Angaben den Verdienst auf einen fixen Anteil der Beiträge – 20 Prozent beim Haftpflichtschutz. Nicht für Schäden benötigte Beiträge sollen am Ende eines Jahres als sogenanntes "Giveback” in Form von Spenden an wohltätige Zwecke an die Gemeinschaft zurückgehen.

"Verkrustete Strukturen" in der Assekuranz
Ein Grund für die Änderung des Geschäftsmodells ist die mangelnde digitale Innovationskraft der Assekuranz: Getsafe und andere Start-ups wie Knip sind vor rund vier Jahren mit der Idee angetreten, Kunden einen digitalen Versicherungsordner sowie darauf aufbauend die automatische Vermittlung von neuen Policen anzubieten. Im Laufe der Zeit zeigten sich aber die Probleme des Geschäftsmodells digitaler Versicherungsordner. Wegen veralteter Technik und mangelnder Innovation der etablierten Versicherer konnten sie Kunden nicht das versprochene digitale Erlebnis liefern. Getsafe und andere Gesellschaften haben daraus die Erkenntnis gezogen, dass sie die gesamte Wertschöpfungskette selbst kontrollieren müssen.

"Wir sind eine Technologiefirma, die Versicherungen anbietet, nicht umgekehrt", erklärt Christian Wiens, Vorstandsvorsitzender und Mitgründer von Getsafe. "Was früher teilweise Tage oder Wochen gedauert hat, passiert jetzt in Minuten oder Sekunden. Das erreichen wir, indem wir verkrustete Strukturen, die auf Papier und Maklern basieren, durch eine leistungsfähige digitale Plattform mit künstlicher Intelligenz und Chatbots ersetzen." (jb)


Lesen Sie dazu auch den Artikel "Ring frei für die zweite Runde", der im aktuellen Heft 4/2017 von FONDS professionell erschienen ist. Angemeldete KLUB-Mitglieder finden den Beitrag bereits hier im E-Magazin.