Dem Kapitalanlagedruck sei Dank erlebt der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt eine beeindruckende Boomphase. Im ersten Halbjahr 2014 haben in- und ausländische Investoren 16,9 Milliarden Euro hierzulande angelegt. Damit ist das Transaktionsvolumen laut Jones Lang LaSalle (JLL) im Vergleich zu den ersten sechs Monaten des Vorjahres um knapp ein Drittel gestiegen. "Wir gehen weiter davon aus, dass sich in der zweiten Jahreshälfte der erhöhte Kapitalfluss auch in großvolumigen Investments jenseits der 100 Millionen-Euro-Marke niederschlagen wird. An unserer Jahresanfangsprognose von 35 bis 40 Milliarden Euro Transaktionsvolumen im Jahr 2014 halten wir also fest", erklärt Timo Tschammler, Mitglied im Management Board JLL Germany. 

Unverändert dominieren Büro- und Logistikimmobilien den Transaktionsmarkt; zwei Drittel des Kapitals wurden in diese beiden Sektoren investiert. Ebenfalls stabil ist das Investitionsvolumen in die so genannten "Big 7"-Städte Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Knapp 8,2 Milliarden Euro flossen in diese Metropolen. Das bedeutet, dass die enorme Steigerung des Transaktionsvolumens auf Investitionen in den sekundären Standorten zurückzuführen sind. Auffällig ist zudem, dass im ersten Halbjahr 2014 deutlich mehr Portfoliotransaktionen, die laut  JLL auch städteübergreifend erfolgen, stattgefunden haben. Das Volumen der Portfoliodeals belief sich auf knapp 6,2 Milliarden Euro und war damit nahezu doppelt so hoch wie im ersten Halbjahr 2013. 

Investoren nehmen mehr Risiken für höhere Erträge
Die Experten der Beratungsgesellschaft JLL beobachteten außerdem, dass die Investoren mittlerweile nicht nur noch so genannte "Prime-Immobilien" suchen, sondern auch Objekte mit höheren Risiken angreifen, die dafür höhere Renditen versprechen. "Deutschland steht bezüglich solcher Core-Plus, Value-Add oder opportunistischen Anlagestrategien insbesondere bei ausländischen institutionellen Investoren ganz oben auf der Liste der Zielländer", heißt es in dem soeben veröffentlichten Halbjahresbericht. 

Die extrem hohe Nachfrage nach Immobilien und die günstigen Finanzierungskonditionen sorgen für steigende Preise. Zu erkennen ist das auch in der Entwicklung der Spitzenrenditen in den "Big 7"-Städten. Büros werfen derzeit rund 4,5 Prozent ab, bei Logistikimmobilien sind es etwa zwei Prozent mehr. Im Jahr 2009 konnten Investoren rund ein Prozent mehr Rendite erzielen. Eine Preisblase sieht JLL aber nicht. "Vor dem Hintergrund eines stetig wachsenden Investitionsbedarfs durch einheimische und globale Kapitalsammelstellen, gepaart mit diesem weiterhin niedrigen Zinsniveau, ist auch die Frage nach Überhitzungstendenzen naheliegend. Diese sehen wir angesichts der stabilen Fundamentaldaten und der positiven Konjunkturaussichten derzeit noch nicht", meint JLL-Deutschland-Chef Frank Pörschke. (ae)