Über zwei börsengehandelte Fonds mit Hedgefonds-Strategien tritt J.P. Morgan Asset Management in den europäischen ETF-Markt ein. Der JPM Equity Long-Short UCITS ETF und der JPM Managed Futures UCITS ETF würden schon bald an der Londoner Börse gelistet werden, sagte Bryon Lake, International Head of ETFs des US-Fondshauses, bei einer Presseveranstaltung in London.

Lake betonte, dass er ETFs als "Technologie" betrachte, als Fortentwicklung des klassischen Fondsmantels. ETFs hätten nicht unbedingt etwas mit passiven Investments in marktkapitalisierungsgewichtete Indizes zu tun. Vielmehr sei der ETF an sich eine Hülle, die auch mit Inhalten befüllt werden könnten, für die ein aktiver Manager wie J.P. Morgan AM stehe.

Hedgefonds-Renditen zu ETF-Kosten
Gemanagt werden die beiden ETFs von einem Team um Yazann Romahi, dem Leiter Quantitative Beta Strategies des Anbieters. Der Long-Short-ETF soll weltweit auf Aktienfaktoren wie "Value", "Quality" und "Momentum" setzen. Im Managed-Futures-ETF kommen Faktoren wie "Carry" und "Momentum" in den Anlageklassen Aktien, Renten, Währungen und Rohstoffe zum Einsatz.

"Wir forschen seit mehr als zehn Jahren zu alternativen Strategien", so Romahi. Die Ergebnisse würden zeigen, dass ein großer Teil der Hedgefonds-Renditen über einen systematischen, regelgebundenen Prozess zugänglich gemacht werden können. Dies soll nun kosteneffizient und liquide über die ETFs erfolgen – und Investoren Vorteile wie eine bessere Diversifikation, eine geringere Volatilität des Portfolios und höhere risikoadjustierte Renditen bescheren.

Weitere ETFs sind in Planung
Detaillierte Informationen zu den beiden ETFs – auch mit Blick auf die Gebühren – sollen veröffentlicht werden, sobald das Listing an der London Stock Exchange erfolgt ist. Notierungen an anderen wichtigen europäischen Börsen seien in Vorbereitung. 2018 möchte J.P. Morgan AM weitere quantitative Strategien in einen ETF-Mantel packen und europaweit anbieten.

ETF-Chef Lake arbeitet seit März für J.P. Morgan AM, um das Geschäft mit börsengehandelten Fonds voranzutreiben. Zuvor war er zwölf Jahre bei Invesco Powershares tätig gewesen. Lake traut dem europäischen ETF-Markt ein gigantisches Wachstum zu: Das Volumen könne sich auf Sicht von fünf Jahren verdoppeln – auf dann 1,5 Billionen US-Dollar. "Das klingt sehr ambitioniert, aber bisher gab es in jeder Fünf-Jahres-Periode mindestens eine Verdopplung", so Lake. Das sei auch in den USA der Fall gewesen. Der amerikanische Markt sei dem europäischen rund zehn Jahre voraus, daher sei eine ähnliche Entwicklung auf dem alten Kontinent durchaus realistisch.

Andere etablierte Asset Manager sind schon mit ersten ETFs am Start
J.P. Morgan Asset Management ist nicht der erste Anbieter klassischer Fonds, der am ETF-Boom in Europa teilhaben möchte. Im April kam Fidelity mit zwei Smart-Beta-ETFs auf den Markt, im September folgte Franklin Templeton.

Chris Willcox, der Chef von J.P. Morgan AM, hatte jüngst im Interview mit FONDS professionell das Ziel ausgerufen, in fünf Jahren zu den bedeutendsten Anbietern für Smart- oder Alternative-Beta-ETFs zu gehören (angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Artikel hier im E-Magazin lesen). In den Vereinigten Staaten bietet J.P. Morgan AM schon seit einiger Zeit ETFs an. Die 13 börsengehandelten US-Fonds des Anbieters verwalten in Summe rund 2,2 Milliarden Dollar. (bm)