Der Chef der US-Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, ist offensichtlich unglücklich mit der Politik in den Vereinigten Staaten. In einer Telefonkonferenz mit Analysten, in der es eigentlich um die Vorstellung der jüngsten Bilanzzahlen ging, platzte ihm der Kragen: Auf die Frage, wie JP Morgan die Blockaden der US-Politik bewerte, sagte er der Agentur AFP zufolge: "Es ist beinahe peinlich, als amerikanischer Bürger um die Welt zu reisen und gleichzeitig diesem blöden Mist zuzuhören, mit dem wir es in unserem Land zu tun haben."

Damit nicht genug: Dimon bezeichnete die USA als "eine der bürokratischsten, konfusesten und von Rechtsstreitigkeiten geplagtesten Gesellschaften". Besonders frustriert zeigte er sich darüber, dass die Unternehmensteuerreform, die US-Präsident Donald Trump vollmundig angekündigt hatte, noch immer nicht deutlich vorangekommen ist. Übermäßige Regulierung behindere zudem wichtige Infrastrukturprojekte. In anderen Ländern, in die er gerade gereist sei, werde eine praktischere, wachstumsfreundlichere Politik gemacht, sagte Dimon.

Kein Grund zum Ausrasten
Die Zahlen der Großbank gingen in Dimons Wutausbruch beinahe unter. Dabei können sie sich durchaus sehen lassen: JP Morgan hat im zweiten Quartal nach Steuern rund sieben Milliarden US-Dollar Gewinn eingestrichen. Analysten hatten mit einem deutlich schlechteren Ergebnis gerechnet. Vor allem die höheren Zinsen und das Wachstum bei Krediten und Einlagen waren der Bank zugutegekommen. (fp)