Im Herbst 2017 ging die Kommunalkredit mit ihrer "Kommunalkredit Invest" in Österreich an den Start: Eine reine Online-Plattform, auf der das von Tiefzinsen geplagte Retailpublikum Geld zu besseren Konditionen parken kann. Vorerst stehen nur Tages- und Festgeld zur Verfügung. Innerhalb von drei Monaten sammelte die Kommunalkredit damit 100 Millionen Euro ein. Der Plan, die Refinanzierungsbasis auf eine breitere Basis zu stellen, geht aus heutiger Sicht damit auf. Es ist das erste Mal, dass die Spezialbank für Infrastrukturfinanzierung Privatkundeneinlagen entgegennimmt.

Ausschlaggebend für den Zustrom dürften hauptsächlich die gebotenen Zinsen sein. Die liegen ab einem Betrag von 10.000 Euro und bei 36 Monaten Bindung bei 1,1 Prozent. Für täglich fälliges Geld werden 0,51 Prozent geboten. Das gehört derzeit zu den attraktivsten Angeboten in Österreich – zumindest, wenn man jene Angebote von ausländischen Banken außen vor lässt, wo kein automatischer KESt-Abzug angeboten wird.

"Arbeiten an Produktinnovationen"
Derzeit ist die Produktpalette der Kommunalkredit Invest auf die zwei Services Tages- und Festgeld beschränkt. Es drängt sich aber die Vermutung auf, dass es dabei nicht bleibt: Man bezeichnet sich selber durchgehend als "Veranlagungsplattform", und das Konto wird als "Drehscheibe" für alle Veranlagungen angepriesen. "Wir arbeiten an Produktinnovationen", sagte dazu Sprecher Martin Hehemann zu FONDS professionell ONLINE. Nähere Angaben gab es vorerst nicht.

Fest steht, dass die Kommunalkredit Invest geografisch expandiert. Soeben fiel der Startschuss in Deutschland. Ziele hinsichtlich erwarteter Einlagen werden nicht kommuniziert. Die gebotenen Zinsen liegen etwas unter jenen, die man in Österreich erhält. Jedenfalls ist man überzeugt, "den Kunden in Deutschland ein sehr interessantes Angebot zu machen", wird Vorstandsvorsitzender Alois Steinbichler in einer Aussendung zitiert.

Hehemann meint, dass die Infrastrukturthematik als Argument momentan bei den Anlegern gut ankomme: Diese würden es schätzen, wenn ihr Geld in konkrete, verständliche Vorhaben gehe. Die Kommunalkredit finanziert europaweit Verkehrsprojekte, Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime, Windparks, Solaranlagen und andere Vorhaben.

"Der gute Rest"
Die heutige Kommunalkredit ist der gesunde Rest der 2008 notverstaatlichten Volksbanken-Tochter Kommunalkredit. Die Problem-Assets wurden in die Bad Bank KA Finanz ausgelagert, die mittlerweile in eine Abbaugesellschaft umgewandelt wurde und ihre Banklizenz zurückgelegt hat.

Die Bilanzsumme per Ende Juni 2017 liegt bei 3,3 Milliarden Euro. Die Gesamtkapitalquote
wird mit 34,4 Prozent angegeben, die harte Kernkapitalquote mit 26,9 Prozent. Die Non Performing Loan-Rate beträgt 0,0 Prozent. Die Kommunalkredit steht seit Herbst 2015 weitgehend im Eigentum der Beteiligungsgesellschaft Gesona – der Österreichische Gemeindebund hält nur einen symbolischen Anteil von 0,22 Prozent.

Hinter Gesona wiederum stehen die Londoner Interritus Limited sowie die irische Trinity Investments. Interritus selbst wurde vom deutschen Investmentbanker und Mainfirst-Gründer Patrick Bettscheider mitinitiiert. Bettscheider ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kommunalkredit. (eml)