Lebensversicherungen waren einst der Deutschen liebste Sparanlage fürs Alter. Seit der Finanzkrise und den daraus folgenden Minizinsen wenden sich die Anleger aber immer mehr von ihrem einstigen Lieblingsprodukt ab. Das schlägt sich in sinkenden Beitragszahlen nieder, wobei die Entwicklung bei Fondspolicen ein kleiner Lichtblick ist, wie die internationale Beratungsgesellschaft KPMG in ihrer Studie "Zukunft der Lebensversicherung" ausführt. Vor allem aber muss die demografische Entwicklung der Bevölkerung der Assekuranz ernste Sorgen bereitet.

Nach Angaben von KPMG lagen die laufenden Beiträge vor zehn Jahren bei 63,9 Milliarden Euro. 2016 waren es nur noch 61,7 Milliarden Euro. Schlecht für die Versicherer: KPMG schätzt, dass die jährlichen Prämieneinnahmen bis 2030 um weitere rund sechs Milliarden Euro sinken werden. Der Bedeutungsrückgang der Lebensversicherung lässt sich auch an anderen Zahlen ablesen: Wurden 2008 noch 4,1 Prozent des verfügbaren Einkommens für die Lebensversicherung aufgewendet, waren es im Jahr 2016 nur noch 3,4 Prozent.

Fondspolicen gefragter
Von dieser Entwicklung sind die klassischen Policen am stärksten betroffen. Hatten diese Produkte im Jahr 2008 mit 47 Milliarden Euro an laufenden Beiträgen noch einen Anteil von 73 Prozent an den gesamten Beitragseinnahmen, lag die Quote im Jahr 2016 mit rund 39 Milliarden Euro bei nur noch bei 63 Prozent.

Nach eigenen Angaben von KPMG ist die Lage dramatischer, wenn man auf das Neugeschäft von laufenden Beiträgen blickt: Hier flossen der Assekuranz 2008 noch 6,9 Milliarden Euro zu, 2016 waren es nur noch 5,4 Milliarden Euro. Auch hier mache sich der Rückgang bei den klassischen Produkten am drastischsten bemerkbar: Laut KPMG verlor "die Branche in den vergangenen neun Jahren kontinuierlich insgesamt 865 Millionen Euro an Beitragseinnahmen".

Bei Fondspolicen gibt es dagegen hinsichtlich aller laufenden Beiträge eine positive Entwicklung: 2016 verbuchten sie Prämieneinnahmen von 14 Milliarden Euro und kamen damit auf einem Anteil von 22 Prozent. 2008 waren es noch zwölf Milliarden Euro und ein Anteil von 18 Prozent gewesen. Zum Neugeschäft trugen sie 2016 circa 1,4 Milliarden Euro bei (26% Anteil) und damit mehr als 2012. Ihren Anteil von 34 Prozent und 2,3 Milliarden Euro aus dem Jahr 2008 erreichten sie bislang aber nicht mehr.

Demografischer Wandel drückt Einnahmen um 15 Milliarden Euro
Die negative Gesamtentwicklung werde durch den demografischen Wandel beschleunigen, führt KPMG weiter aus. Die Gesellschaft erwartet in den für die Versicherer besonders relevanten Altersgruppen zwischen 20 und 54 Jahren einen Rückgang von 10,7 Millionen Menschen und damit Einzahlern bis zum Jahr 2060.

Unter Annahme unveränderter Rahmenbedingungen wie Zahl der Verträge pro Person und durchschnittlichem Beitrag pro Vertrag müssen die Versicherer daher insgesamt mit einem Prämienrückgang in Höhe von über 15 Milliarden Euro bis 2060 rechnen. Das entspricht einem Minus von 31 Prozent, so KPMG. Gehe man von einem bereits gesättigten Markt für Biometrieprodukte aus, würde die Branche bis dahin sogar knapp 19 Milliarden Euro an Prämieneinnahmen verlieren (jb)