Vor rund viereinhalb Jahren hat der US-amerikanische Asienspezialist Matthews Asia den Schritt nach Deutschland gewagt (lesen Sie den Artikel "Neu im Land" in der Ausgabe 3/2013 von FONDS professionell; anmeldepflichtig). Die Redaktion hat Jonathan Schuman, Head of Global Business Development von Matthews Asia, getroffen und mit ihm über die Geschäftsentwicklung der vergangenen Jahre und die Aussichten für Investments in asiatische Schwellenländer gesprochen.


Herr Schuman, wie lautet Ihr Zwischenfazit nach rund viereinhalb Jahren am deutschen Markt?

Jonathan Schuman: Wir sind zufrieden. Natürlich gehören wir nicht zu den Absatzspitzenreitern in Deutschland, sondern sind immer noch am Anfang. Das ist aber gewollt, wir setzen auf ein nachhaltiges Wachstum in Märken außerhalb der USA und gehen daher nicht aggressiv, sondern geduldig vor. Es hat auch in den USA über zwei Jahrzehnte gedauert, bis wir da waren, wo wir heute sind.

Können Sie beziffern, wie hoch die Mittelzuflüsse von deutschen Anlegern sind

Schuman: Wir geben keine Zahlen für einzelne Länder aus, aber das Geschäft läuft. Aktuell verwalten wir weltweit rund 33,3 Milliarden US-Dollar, 2011 waren es elf Milliarden Dollar. 2011 hatten Anleger außerhalb der USA noch weniger als fünf Prozent unserer Kunden-Assets. Heute stehen die Kunden außerhalb der USA, also inklusive der in Deutschland, für rund 22 Prozent unserer Kunden-Assets.

Was ist Ihr Hauptvertriebskanal?

Schuman: Immer noch Vermögensverwalter und Privatbanken. Aber wir gehen auch verstärkt auf freie Vermittler zu; aus diesem Grund sind wir auch schon vier Jahre hintereinander auf dem FONDS professionell KONGRESS präsent. Zudem haben wir mittlerweile Kooperationen mit den meisten Fondsplattformen in Deutschland geschlossen.

Vor rund viereinhalb Jahren sagten Sie uns, dass Sie kein Büro in Deutschland eröffnen werden. Haben Sie Ihre Pläne in der Zwischenzeit geändert?

Schuman: Nein. Außerhalb der Vereinigten Staaten haben wir nur Filialen in London und Hongkong. In Deutschland vermarktet weiterhin Multi Boutique Marketers (MBMs) unsere insgesamt zwölf hier zugelassenen Fonds – zehn Aktien- und zwei Rentenportfolios.

Gibt es so etwas wie einen "Verkaufsschlager" in Ihrem Sortiment?

Schuman: Unsere Fonds mit einer Dividendenstrategie werden derzeit am meisten nachgefragt. Kunden möchten in asiatische Aktien investieren, aber nicht mit vollem Risiko sondern "gedämpft". Daher ist eine Dividendenstrategie, wie wir sie fahren, ideal. Wir suchen nicht nach Einzelunternehmen, die die höchsten Dividenden zahlen, sondern nach denjenigen, die die Ausschüttungen kontinuierlich steigern. Etwaige Kursverluste werden durch die Zahlungen zumindest in Teilen abgefedert.

Warum wollten Anleger überhaupt Aktieninvestment mit einem gewissen Sicherheitspuffer? Die asiatischen Schwellenländer laufen gar nicht schlecht.

Schuman: Ja, aber wenn man auf die vergangenen fünf Jahre schaut, liegen sie hinter den Märkten der Industriestaaten zurück. Erst 2017 gab es eine echte Trendwende. Die wirtschaftlichen Rahmendaten wie Inlandsnachfrage sehen gut aus. Hinzu kommen stabile politische Verhältnisse, was sich alles in Produktivitätssteigerung und Wirtschaftswachstum niederschlägt. Daher steigen auch die Unternehmensgewinne, sodass Firmen die Löhne erhöhen und somit den Binnenkonsum weiter anfachen.

Aber Chinas hoher Schuldenberg macht viele nervös...

Schuman: Die Schulden machen tatsächlich 250 Prozent des Bruttoinlandproduktes aus. Allerdings sind die Privathaushalte nicht nennenswert hoch verschuldet, sondern die öffentliche Hand sowie Staatsbetriebe. Die private Hand verfügt sogar über hohe Rücklagen und mit die höchsten Sparraten weltweit.

Wie hat sich die protektionistische Handelspolitik von Präsident Trump auf China ausgewirkt?

Schuman: Die tatsächlichen Auswirkungen des Protektionismus sind doch sehr limitiert. Rund 20 Prozent der chinesischen Exporte (gemessen an deren Wert) gehen in die USA, während Europa, Japan und die ASEAN-Länder zusammen rund 30 Prozent ausmachen. Die Nettoexporte von Waren und Dienstleistungen entsprechen zwei Prozent von Chinas Bruttoinlandsprodukt. Ich gebe Ihnen ein konkretes Beispiel: die vor kurzem angekündigten Zölle auf Solarpanels aus China. Der Löwenanteil dieser Panels wird im Inland abgesetzt, nur ein kleiner Teil geht in die Vereinigten Staaten. Trumps Protektionismus ist daher nur eine symbolische Geste während eines US-Wahljahres.

Wir danken für das Gespräch. (jb)