Die deutschen Bausparkassen haben ihren Notfallfonds, der einst milliardenschwer war, im vergangenen Jahr um gut die Hälfte geleert. Das hat das Wirtschaftsmagazin Capital auf Grundlage der Geschäftsberichte errechnet, wie die Redaktion in einer Vorabmeldung zur nächsten Ausgabe 10/2018 schreibt. Demnach seien die Finanzpolster im "Fonds zur bauspartechnischen Absicherung", so sein offzieller Name, im Jahr 2017 von anfangs 1,34 Milliarden auf 637 Millionen Euro geschrumpft – 2014 wies der Topf nach 2,2 Milliarden Euro auf. Das Fatale: Wenn Sich die Entwicklung in diesem Tempo fortsetzt, wären die meisten Reserven Ende dieses Jahres aufgebraucht.

Laut Capital hat eine Gesellschaft ihren Fonds-Anteil beinahe komplett geleert: Die Bauspar-Tochter des Versicherers Debeka. Auch bei der Postbank-Tochter BHW, der Aachener Bausparkasse, der Signal-Iduna Bauspar und der Deutscher Ring Bausparkasse seien diese Reserven ganz oder fast aufgebraucht worden. Allerdings sind mit den Geldern zum Teil auch Erträge aufgebessert worden. Und viele Kassen würden den Fonds nutzen, ihr Eigenkapital aufzustocken. So buchte etwa Schwäbisch Hall 425 Millionen Euro aus der Reserve um.

Gesetzesnovelle 2015 
Diese Zahlen zeigen nach Angaben von Capital die grundlegenden Probleme vieler Bausparkassen: Die Institute müssen einerseits vielen Bausparern hohe Zinsen für Altverträge zahlen, die zum Teil vor 2008 abgeschlossen wurden. Zugleich machen die aktuellen Minizinsen das Erwirtschaften entsprechender Renditen zum Ding der Unmöglichkeit. Kein Wunder also, dass die Bausparkassen immer einfallsreicher werden wenn es darum geht, Altverträge zu kündigen. Zuletzt leistete ihnen hierbei sogar der Bundesgerichtshof Schützenhilfe.

Zum Hintergrund: Der Notfallfonds war Anfang der 1990er-Jahre eingerichtet worden, damit die Kunden ihre Darlehen stets schnell ausgezahlt bekommen, schreibt Capital. Seit 2015 dürfen die Bausparkassen im Zuge einer Gesetzesnovelle diese Reserven aber auch einsetzen, um Engpässe im laufenden Geschäft abzufedern, die die Niedrigzinsen verursacht haben. Der Verband der privaten Bausparkassen bezeichnet die Entnahmen gegenüber der Zeitung als Beitrag "zur weiteren Stabilisierung" des Geschäfts. (jb)