Der Kurseinbruch bei Aktien in der vergangenen Woche hat bei einigen Anlegern für durchwachte Nächte gesorgt. Andre Moschner, im Vorstand des Versicherungsriesen Ergo für die Vermögensanlage zuständig, hat dagegen kein Schlafdefizit. In einem Interview mit dem "Handelsblatt" gibt der Ergo-Vorstand seine Sicht auf den Einbruch an den Märkten und berichtet, dass der Versicherer seine Aktienquote sogar erhöhen wird.

Laut Moschner sei die Korrektur an den Märkten zwar heftiger als erwartet ausgefallen. Dennoch glaubt er weiterhin an ein ungebrochenes Wirtschaftswachstum und damit steigende Börsen: "Die letzten Konjunkturzahlen haben das Bild eines synchronisierten globalen Aufschwunges bestätigt." Der Ergo-Chefanleger sieht auch keine Gefahr durch die Politik für den Aufschwung, da sich die politischen Ereignisse der vergangenen anderthalb Jahre wie die Trump-Wahl nach kurzer Unsicherheit am Ende nicht auf die Märkte ausgewirkt haben.

In dem Zusammenhang rechnet er auch damit, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen in drei Schritten erhöhen wird. Auch einen vierten Zinsschritt schließt er nicht aus. "Die Europäische Zentralbank wird dem, so glaube ich, nicht folgen und auf der Zinsseite nichts tun. Das unterstreicht unser Bild moderat ansteigender Renditen bei Langläufern." Dynamisches Nominalwachstum und steigende Unternehmensgewinne lassen Moschner zufolge in diesem Szenario Spielraum für steigende Kurse bei Aktien.

Sechs Milliarden Euro fließen in Aktien
Der Finanzexperte verweist noch auf einen anderen Aspekt, um seine entspannte Sicht der jüngsten Ereignisse an den Aktienmärkten zu erklären: "Ich arbeite knapp 30 Jahre im Kapitalmarktbereich und habe viele Dax-Höchststände gesehen, neue Tiefststände aber nicht. Der Anleger muss die Geduld über viele Jahre mitbringen und darf nicht kurzfristig denken", so Moschner gegenüber dem Handelsblatt.

Daher wird seine Gesellschaft, die im vergangenen November ihre externen Run-off-Pläne auf Eis legte,die Aktienquote auf mittlere Sicht erhöhen – obwohl Versicherungsgesellschaften konservativ und damit größtenteils in sichere Rentenpapieren investieren müssen: "Im vergangenen Jahr lag unsere Aktienquote im Durchschnitt bei etwa 3,5 Prozent. Wir wollen sie um zehn bis 15 Prozent auf etwa vier Prozent erhöhen. In der Sachversicherung streben wir zehn Prozent an." In konkreten Zahlen heißt das: Die Ergo legt 150 Milliarden Euro an, davon fließen sechs Milliarden Euro in Aktien.

Auch zu Bitcoins und Kryptowährungen hat Moschner eine klare Meinung: Würden sie reguliert, wären sie ein mögliches Anlagethema. "Aber das ist noch weit weg", sagt er der Zeitung. (jb)