Das Online-Bezahlverfahren der deutschen Sparkassen und Banken kommt nicht in die Gänge. Aktuell hat Paydirekt gerade einmal 1,8 Millionen Nutzer, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Erklärtes Ziel waren sieben Millionen Kunden zum Jahresende 2017. Wie viele der Nutzer tatsächlich aktiv sind und wie viel Geld bislang über Paydirekt umgesetzt wird, sagen die Beteiligten gar nicht erst. "Paydirekt ist bisher kein Erfolg. Wir müssen bitteres Lehrgeld zahlen", zitiert die FAZ Georg Fahrenschon, Ex-Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

Das Weihnachtsgeschäft lief durchwachsen. Das lag nicht zuletzt daran, dass bislang nur wenige große Online-Shops und stationäre Einzelhändler an Paydirekt angebunden sind, darunter – dank einer Mitgift in Höhe von zehn Millionen Euro – der Otto-Versand. Der sparkassengestützte Online-Bezahldienst ist vielen Händlern offenbar schlicht zu teuer. Bei einer Zahlung per Kreditkarte werden für den Händler 0,3 Prozent des Einkaufs fällig, bei einer Lastschrift weniger. Erzrivale Paypal verlangt indes nur 1,5 Prozent plus 35 Cent je Transaktion, bei Paydirekt bewegen sich die Gebühren in ähnlicher Höhe.

Fintech-Profi tritt ab
Die beteiligten Sparkassen wollen 300 Millionen Euro ausgeben, um Paydirekt doch noch in Schwung zu bringen – bislang mit wenig Erfolg. Auch Wechsel an der Firmenspitze haben nicht geholfen. Eigentlich sollte Frank Schwab die Paydirekt-Misere beenden. Der Fintech-Profi, Ex-Technologievorstand der Fidor Bank, wurde 2016 zum Leiter der GIZS berufen. Über die Frankfurter Gesellschaft beteiligt sich die Sparkassen-Finanzgruppe an Paydirekt. Nun wurde bekannt, dass Schwab von Henning vom Walde abgelöst wird, der den bisherigen Geschäftsführer ursprünglich unterstützen sollte.

Zu viele Köche
Wichtiger als Finanzspritzen und Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiele in der Geschäftsführung wäre es, die Gebühren für Händler zu senken, kommentiert die FAZ. Ein weiteres Problem, das der neue GIZS-Chef vom Walde lösen muss: Jedes Institut ist für das Marketing und den Vertrieb des Online-Bezahldienstes bislang selbst verantwortlich. Aufgrund der Vielzahl und Eigenständigkeit der beteiligten Institute lässt sich so aber keine Marktmacht aufbauen.

Darüber hinaus versucht Paydirekt mit nicht einmal hundert Mitarbeitern, dem US-Platzhirschen Paypal mit seinen knapp 19.000 Mitarbeitern Konkurrenz zu machen. Und: An Zukunftsthemen wie das mobile Bezahlen wagt sich Paydirekt nur halbherzig heran. (fp)