Im Skandal um die Picam-Gruppe mit Sitz in Berlin konzentrieren sich die Ermittlungen offenbar immer mehr auf den Ex-Vertriebschef Thomas E. Dies berichtet das "Handelsblatt". Zwar hat die Staatsanwaltschaft insgesamt sieben ehemalige Mitarbeiter des Vermögensverwalters im Visier. Die Finanzermittler des Landeskriminalamtes in Berlin gingen mittlerweile aber davon aus, dass Thomas E. hinter zahlreichen Firmen und Strukturen der Gruppe stecke. Es bestehe der Verdacht, dass er wie ein Marionettenspieler verschiedene Treuhänder und Strohmänner gelenkt haben könnte, schreibt das "Handelsblatt".

Die Picam-Gruppe soll Anleger um insgesamt 340 Millionen Euro betrogen haben. Die Vermögensprofis gaben vor, per Handel mit Dax-Futures exorbitante Renditen von bis zu 20 Prozent jährlich erwirtschaften zu können. Erste Zweifel daran wurden bereits vor zwei Jahren laut. Ende 2017 häuften sich dann die Ungereimtheiten, viele Anleger bekamen bereits keine Rückzahlungen mehr.

Nix mit Future
Im Februar dieses Jahres fand eine Großrazzia bei der Gruppe statt. Die Ermittler vermuteten, dass ein großer Teil des Kapitals gar nicht in Dax-Futures geflossen war, sondern in vier Fonds der Luxemburger Gesellschaft Von der Heydt Invest. Über Verbriefungsplattformen soll das Geld dann als Darlehen an Firmen weitergereicht worden sein. Die Darlehensforderungen wiederum wurden offenbar verbrieft und an der Börse Düsseldorf angeboten. Der Kreislauf schloss sich, indem das Anlegergeld von den Verbriefungsplattformen und Unternehmen zurück zur Piccor AG floss – einem Teil des undurchsichtigen Firmengeflechts rund um die Picam-Gruppe.

Inzwischen sollen die Finanzermittler eine umfangreiche Liste erstellt haben, in der für alle Jahre seit 2008 jährlich zweistellige Millionensummen vermerkt sind, berichtet das "Handelsblatt". Dabei soll es sich um Gelder handeln, die Anleger auf ein Konto bei der Berliner Volksbank überwiesen. 

"Leute angelockt"
Das Konto gehörte der schweizerischen Piccor AG, mit der die Anleger ihre Verträge schlossen. Konto und Firma wurden jeweils von zwei unterschiedlichen Treuhändern verwaltet. Hinter beiden soll nach Informationen des "Handelsblatts" Thomas E. gestanden haben. Er habe "die Leute mit Geld angelockt und ein System der Abhängigkeiten erzeugt", zitiert der Zeitungsartikel einen der Beschuldigten, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Der ehemalige Picam-Vertriebschef ist trotz der Vorwürfe weiterhin auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft gehe nicht von einer Flucht- oder Verdunklungsgefahr aus. Die Behörde habe bestätigt, dass bislang keiner der Beschuldigten festgenommen worden ist. Thomas E. habe sich zu Fragen des "Handelsblatts" nicht geäußert. (am)