Im Prozess um die Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank sehen die Chancen der ehemaligen Aktionäre des Bonners Instituts auf eine nachträgliche Entschädigung durchaus gut aus. Dies berichtet das Magazin "Wirtschaftswoche" und beruft sich auf Unterlagen aus dem Verfahren.

Diese deuten darauf hin, dass die Deutsche Bank mit Unterstützung der vormaligen Postbank-Mutter, der Deutschen Post, deutlich früher als offiziell verkündet beherrschenden Einfluss auf die Postbank gewonnen haben könnte. Falls die Kläger das Gericht davon überzeugen können, dass das Frankfurter Geldhaus tatsächlich noch vor der Übernahme-Offerte bei dem Bonner Institut durchregierte, drohen der Deutschen Bank Schadenersatzzahlungen von bis zu 1,5 Milliarden Euro.

Schwelle nicht überschritten
Das größte deutsche Geldhaus war im Herbst 2008 bei der damaligen Post-Tochter eingestiegen. Zunächst hatte die Deutsche Bank nur einen Anteil von 30 Prozent erworben. Unterhalb dieser Schwelle mussten die Frankfurter kein Übernahmeangebot unterbreiten. Damals hätte die Offerte bei rund 57 Euro je Aktie gelegen, gemäß des Durchschnittskurses der vorangegangenen Monate, berichtet die "Wirtschaftswoche".

Als die Deutsche Bank dann im Herbst 2010 tatsächlich den Postbank-Aktionären ein Übernahme-Angebot vorlegte, hatte sich der Kurs wegen der Finanzkrise aber auf 25 Euro halbiert. Bis zum Sommer 2015 hat die Deutsche Bank schließlich mehr als 95 Prozent der Anteilscheine des Bonner Hauses übernommen. Um sich das Institut komplett einzuverleiben und von der Börse zu nehmen, zahlte sie den verbliebenen Anteilseignern schließlich eine Abfindung von 30 Euro je Aktie.

Optimismus – mit Rückversicherung
Vielen Alt-Aktionären ist das zu wenig. Sie reichten Klage ein mit der Argumentation, dass die Deutsche Bank tatsächlich spätestens seit Anfang 2009 in Bonn vollen Einfluss und alle Weisungsbefugnisse hatte und dementsprechend schon damals ein Übernahmeangebot hätte abgeben müssen, eben für 57 Euro je Aktie.

Die Anwälte der Deutschen Bank bestreiten das, und das Institut gibt sich optimistisch, dass es den Prozess gewinnen wird, berichtet die "Wirtschaftswoche." Allerdings hat das Haus die Klagen der Postbank-Alteigner erstmals in seinem jüngsten Geschäftsbericht unter den Rechtsrisiken aufgeführt – für alle Fälle.

Richtig glücklich ist die Deutsche Bank mit der Bonner Beteiligung aber nie geworden. Eigentlich wollten die Frankfurter die Tochter wieder losschlagen. Mangels Kaufinteressenten behält das Geldhaus nun die Postbank und re-integriert sie in die eigene Struktur. (ert)