Beobachter erwarten auf den Gläubigerversammlungen der insolventen P&R-Gesellschaften am 17. und 18. Oktober hitzige, emotionsgeladene Debatten zwischen aufgebrachten Anlegern und dem Insolvenzverwalter Michael Jaffé. Für die rund 54.000 Geldgeber steht – abgesehen von ihren Investments, die in Summe auf rund 3,5 Milliarden Euro geschätzt werden – viel auf dem Spiel.

Sie treffen in den Gläubigerversammlungen obendrein richtungsweisende Entscheidungen: Zunächst müssen sie den vom Amtsgericht bestellten Insolvenzverwalter bestätigen oder, wenn das nicht erfolgt, einen anderen Verwalter bestellen. Außerdem werden die Gläubigerausschüsse final bestimmt: Entweder werden die vom Gericht festgesetzten Gremien bestätigt, oder die Gläubiger wählen andere Personen in die Ausschüsse. 

Inzwischen ist klar, dass Jaffé einen zeitnahen Verkauf der Container, die zurzeit zu 90 Prozent vermietet sein sollen, anstrebt. Vor den Versammlungen teilte er mit: "Da ein Großteil der P&R-Anleger bereits im fortgeschrittenen Alter ist, strebt die Insolvenzverwaltung frühzeitige Abschlagszahlungen an, sobald entsprechende Mittel generiert werden konnten und Rechtssicherheit hergestellt ist." Wenn die "koordinierte Verwertung" vorankomme, sei eine erste Zahlung an die Gläubiger im Jahr 2020 möglich.

Unterdessen gehen im Hintergrund die Diskussionen über die bestmögliche Vorgehensweise im Management der Container und in der Betreuung der Anleger weiter (FONDS professionell ONLINE berichtete). Dabei geht Antje Montag, Vorstand der CH2 AG, im Interview mit FONDS professionell ONLINE, in die Offensive.


Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und die Verhaftung des P&R-Chefs Heinz R. waren für Geldgeber ein neuerlicher Schock. Wie ist die Stimmung im Finanzvertrieb?

Ante Montag: Es werden immer noch viele Fragen gestellt. Gleichzeitig ist aber durch die Aktivitäten der Staatsanwaltschaft eine gewisse Erleichterung eingetreten: Denn nun deutet alles darauf hin, dass es sich um einen Betrugsfall handeln dürfte. Das bedeutet: Nicht das Asset "Container" und nicht das Containerleasing generell sind das Problem, sondern ein Missbrauch von beidem.

Es gibt Diskussionen über die richtige Taktik im Insolvenzverfahren. Sollen die Container nun rasch verkauft werden?

Montag: Ohne Detailkenntnisse des Portfolios lässt sich das schwer beurteilen. Im Moment ist der Containermarkt stabil, und die Mieterträge sind attraktiv. Das könnte dafür sprechen, die älteren Container zu guten Preisen zu verkaufen und bei den jüngeren Containern noch die Mieten mitzunehmen. Allerdings muss man mit Preisabschlägen rechnen, wenn man größere Portfolios verkauft. Das gilt insbesondere für alte Boxen. Deshalb muss man taktisch klug vorgehen, um das bestmögliche Ergebnis für das Gesamtportfolio und für den Anleger zu erreichen.

Buss Capital hat den P&R-Anlegern Unterstützung versprochen und ihnen sogar angeboten, die Vertretung auf den Gläubigerversammlungen zu übernehmen. Warum haben Sie das nicht gemacht?

Montag:Wir sehen es nicht als Aufgabe der CH2 an, Anleger in Gläubigerversammlungen zu vertreten und aktiv um deren Mandat zu werben. Außerdem sollten Vertreter in den Versammlungen auch juristische Kompetenzen insbesondere zu insolvenz- und schuldrechtlichen Fragen haben. Ich stünde aber bei Bedarf für den Gläubigerausschuss zur Verfügung, in dem ich meine Marktkompetenz einbringen kann.

Die CH2 ist ein Wettbewerber von P&R. Warum soll man ausgerechnet Sie in den Gläubigerausschuss wählen?

Montag: Der entscheidende Punkt ist: Wir stehen auf der Seite der Anleger und haben ein Interesse daran, dass das Insolvenzverfahren – anders als bei der Magellan-Insolvenz – so gut wie möglich für die Anleger ausgeht. Ich kann einem Gläubigerausschuss durch Marktkenntnisse und Netzwerke einen Mehrwert bringen. Ich bin ja grundsätzlich der Meinung, dass ein Gläubigerausschuss mit verschiedenen Kompetenzen und nicht nur mit Anlegeranwälten besetzt sein sollte, damit dem Insolvenzverwalter möglichst viel und breites Know-how beratend zur Seite steht.

Sie haben sich – wie auch Buss Capital – kürzlich dafür ausgesprochen, dass das operative Geschäft von den P&R-Firmen abgezogen und an professionelle Dritte ausgelagert wird. Was versprechen Sie sich davon?

Montag: Einem Unternehmen, dem Betrug vorgeworfen wird, vertrauen die Kunden nicht mehr. Zurecht, meiner Meinung nach. Und im Fall P&R ist zu bedenken, dass die P&R-Gesellschaft in der Schweiz nicht unter der Kontrolle der deutschen Insolvenzverwalter steht. Die Beauftragung eines externen und professionellen Managements würde also der Vertrauensbildung und der Optimierung der Insolvenzverfahren dienen.

Bei der Gelegenheit haben Sie quasi angeboten, dass die CH2 die Anlegerverwaltung für die P&R-Direktinvestments übernehmen könnte. Warum sollte der Insolvenzverwalter diesen Part auslagern?

Montag: Das hätte zwei Vorteile: Erstens haben wir Erfahrung in der Anlegerverwaltung und können diese kosteneffizienter und anlegerorienter als ein Insolvenzverwalter machen. Die CH2 platziert seit 2008 Container-Direktinvestment und hat im Markt die längste Erfahrung mit diesen Produkten. Zweitens können wir den Anlegern auch Fragen zum Containerinvestment, zum Containermarkt und zum Leasinggeschäft beantworten. Der Insolvenzverwalter kann das – gerade bei der Masse an Gläubigern – nicht. Wir haben in den vergangenen Wochen häufig gehört, dass die Investoren viele Fragen haben und öfter informiert werden möchten.

Warum glauben Sie, dass sie das richtige Unternehmen dafür sind? Ist die CH2 nicht viel zu klein, um zusätzlich zu den 8.000 eigenen Kunden noch 54.000 Anleger zu betreuen?

Montag: Nein, weil die Verwaltung mit standardisierten Prozessen läuft. Technisch ist das überhaupt kein Problem. Wir würden dann aber auch Personal für die persönliche Betreuung einstellen. Uns liegt am Herzen, dass einerseits die Anleger so gut wie möglich aus den Insolvenzverfahren aussteigen und andererseits, dass das öffentliche Meinungsbild zum Container durch P&R nicht beschädigt wird, sondern am Ende trotz der Insolvenz insgesamt positiv bleibt.

Vielen Dank für das Gespräch. (ae)