Die Privatbank Donner & Reuschel trennt sich systematisch von Kunden, die dem Institut zu wenig Ertrag bringen. Eine Sprecherin der Bank bestätigte der "Süddeutschen Zeitung" (SZ), derzeit würden Kunden angesprochen und angeschrieben, "die unsere Beratungsdienstleistungen nicht in Anspruch nehmen". Die Konzentration der Bank auf Klienten mit "umfassenden und komplexen Vermögen" bringe es mit sich, dass sich das Institut von Kunden trennen müsse, "die nur Konten führen".

Betroffen sind in erster Linie Kunden der 1947 gegründeten Reuschel-Bank aus München. Die Hamburger Donner-Bank, die 2010 mit Reuschel fusionierte, richtete sich schon immer an vermögende Kunden. Reuschel dagegen hatte früher "noch um den Mann und die Frau auf der Straße" geworben, wie es die SZ formuliert. Zur Zahl der betroffenen Kunden wollte sich die Sprecherin gegenüber der Zeitung nicht äußern, weil noch nicht alle Gespräche geführt seien.

Kunde muss sich bis Ende Oktober eine neue Bank suchen
Die SZ führt das Beispiel eines Kunden an, der seit 45 Jahren die Dienste der Bank in Anspruch nimmt. Nun bekam der 66-Jährige Post von Donner & Reuschel. "Durch die Nullzinspolitik der EZB und die gesetzliche Regulatorik" hätten sich die Rahmenbedingungen des Bankgeschäfts "deutlich verändert". Das Institut habe sich entschlossen, sich auf "beratungsintensive Bankdienstleistungen zu konzentrieren", andere Angebote sollen reduziert oder gestrichen werden. Deshalb müsse man die "Zusammenarbeit" beenden.

Konkret bedeutet dass, die Bank dem Kunden zu Ende Oktober Konto und Depot kündigt. Er soll ein Formular zum Depotübertrag ausfüllen und ein Konto angeben, auf das sein Geld überweisen wird.

Mit normalen Kunden ist kaum noch Geld zu verdienen
Der SZ zufolge handelt es sich um den ersten Fall, in dem sich eine deutsche Bank systematisch von Massenkunden trennt. Die Zeitung erinnert an die Deutsche Bank, die um die Jahrtausendwende weniger vermögende Privatkunden in die Bank 24 abschieben wollte – letztlich war dieser Versuch aber gescheitert.

In den vergangenen Jahren ist der Druck auf die Banken gestiegen. Viele Institute betonen inzwischen, dass mit normalen Kunden kaum noch Geld zu verdienen sei. Bislang hatte es aber noch keine Bank gewagt, sich konsequent von dieser Klientel zu trennen. (bm)